Wenn Ablehnung zur Wunde wird: Ein Weg zur Heilung
- Jürgen Justus
- vor 21 Minuten
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Wie das Evangelium die tiefsten Wunden unserer Seele heilt
Es gibt wenige Momente, die so weh tun wie Ablehnung. Der Blick, der an dir vorbeigeht. Die Nachricht, auf die keine Antwort kommt. Die leise, aber vernichtende Aussage: „Du gehörst hier nicht hin."
Es sind nicht nur die großen Dramen – die Scheidung, der Arbeitsplatzverlust, die zerbrochene Freundschaft. Es sind auch die kleinen, alltäglichen Gesten, die uns sagen: Du bist nicht genug. Du bist anders. Du bist unwillkommen. Und mit der Zeit graben sich diese Botschaften tief in unsere Seele ein.
Edward T. Welch, ein erfahrener christlicher Berater und Autor, versteht diese Tiefe der Wunde. In seinem Buch „Shame Interrupted" taucht er in die dunkle Landschaft der Ablehnung ein – und zeigt dann etwas Erstaunliches: Es gibt einen Weg hinaus. Ja, sogar noch mehr: Die Bibel handelt von Anfang bis Ende von dieser Erfahrung und ihrer Heilung.
Das Gesicht der Ablehnung erkennen
Wenn Welch von Ablehnung spricht, beschreibt er nicht einfach ein vorübergehendes Gefühl. Ablehnung ist tiefgreifend, komplex und vielgestaltig. Sie zeigt sich in drei Gesichtern:
Du fühlst dich wie ein Ausgestoßener. Du gehörst nicht dazu. Während alle anderen sich unterhalten, sitzt du am Rand. Du schaust zu, wie die anderen miteinander lachen, und weißt: Ich bin hier nicht willkommen. Du bist vom Volk getrennt, isoliert, ausgegrenzt.
Du fühlst dich entblößt. Du hast ein Geheimnis, das du vor der Welt verbergen musst. Du fühlst dich nackt, verwundbar, exponiert. Jede Begegnung mit anderen fühlt sich an, als würden deine Geheimnisse sichtbar werden, als könnten alle sehen, wer du wirklich bist.
Du fühlst dich unrein. Etwas stimmt nicht mit dir. Du bist schmutzig, kontaminiert, beschädigt. Es ist nicht nur, dass du etwas Falsches getan hast – es ist, dass etwas Falsches mit dir selbst nicht stimmt.
Diese drei Gefühle zusammen bilden ein überwältigendes Mantra: WERTLOS. NICHTS. NULL.
Welch erzählt von einem Jungen namens Carlos Acosta, dessen Leben von extremer Armut und Vernachlässigung geprägt war. Eines Tages überraschten die Arbeitersozialarbeiter ihn beim Sprechen – mit Kakerlaken. „Warum redest du mit ihnen?", fragten sie verwirrt. Seine Antwort war verstörend: „Sie und ich haben viel gemeinsam." Ein Kind, das sich mehr mit Ungeziefer identifiziert als mit Menschheit. Das ist das tiefste Ausmaß der Ablehnung.
Die Unterscheidung, die alles verändert
Bevor wir verstehen können, wie man mit Ablehnung umgeht, müssen wir sie von etwas anderem unterscheiden, das ihr ähnlich ist: Schuld.
Schuld sagt: „Ich habe etwas Falsches getan. Ich bin verantwortlich und muss zur Rechenschaft gezogen werden."
Ablehnung sagt: „Ich bin etwas Falsches. Ich gehöre nicht hier hin. Ich bin unannehmbar."
Der Unterschied ist entscheidend. Der schuldige Mensch braucht Vergebung und kann sie akzeptieren. Aber der beschämte Mensch, der sich durch Ablehnung definiert, erwartet Ablehnung. Er vertraut nicht auf gute Worte, weil er denkt, dass er sie nicht verdient. Er braucht etwas viel Tieferes: Reinigung, Gemeinschaft, Liebe und – vor allem – Akzeptanz.
Woher kommt diese Wunde?
Die Wurzeln der Ablehnung sind unterschiedlich, aber es gibt drei Hauptquellen.
Erstens: Etwas, das wir getan haben. Manchmal bringen wir selbst Scham über uns. Adam und Eva aßen von dem Baum, den Gott ihnen verboten hatte. Sie kontaminierten sich selbst durch ihre Wahl. Und obwohl Gott ihnen schnell Vergebung anbot, versteckten sie sich. Das erste Menschenpaar der Geschichte entdeckte: Schuld kann zu Scham führen, und Scham führt zum Verstecken.
Zweitens: Etwas, das uns angetan wurde. Dies ist vielleicht der schmerzhafteste Weg, wie Ablehnung in unser Leben kommt. Ein Elternteil, das dich nicht wollte. Ein Missbraucher, der dich für sein Verhalten beschämt hat. Ein Ehepartner, der dich betrogen hat. Ein Lehrer, der dich vor der ganzen Klasse erniedrigt hat. Die Worte anderer – besonders von denen, die uns lieben sollen – haben eine sonderbare Macht, sich in unser Innerestes einzugraben.
Welch schreibt mit größtem Ernst: „Verbal misshandelte Männer und Frauen sind voller Scham. Wenn sie lange genug zermürbt wurden, glauben sie, dass sie wirklich erbärmlich sind."
Drittens: Das, womit wir assoziiert werden. Dies ist die subtilste Form, aber genauso zerstörerisch. Du bist mit etwas Beschämendem verbunden, das außerhalb deiner Kontrolle liegt. Vielleicht stammst du aus einer Familie, die geächtet wird. Vielleicht hast du eine körperliche Besonderheit, die dich unterscheidet. Vielleicht bist du das Opfer von Rassismus, Klassismus oder gesellschaftlicher Ausgrenzung. Welch beobachtet kühl: „Rassismus versucht, einer ganzen Gruppe von Menschen Scham aufzuerlegen, und normalerweise gelingt es ihm."
Die Spirale der Ablehnung
Was faszinierend – und beängstigend – an Ablehnung ist, ist, wie sie unser Verhalten formt. Sie isoliert uns. Sie macht uns süchtig nach Betäubung. Sie lässt uns uns selbst beschuldigen. Sie dreht unseren Blick nach innen, anstatt nach außen und nach oben.
Wer von Ablehnung geprägt ist, versteckt sich. Nicht immer körperlich – manchmal sind die Masken, die wir tragen, unsichtbar. Aber wir verstecken unsere wahren Gedanken, unsere wahren Gefühle, unsere Wahrheit. Wir rollen uns psychisch zusammen und machen uns selbst klein, um nicht noch mehr Verletzung zu erfahren.
Manche Menschen, die von tiefer Ablehnung geprägt sind, greifen zu Suchtmitteln. Sie trinken, um das Gefühl zu ertränken. Sie greifen zu Drogen, um es zu betäuben. Sie ersticken es in Essen oder verlieren es in zwanghafter Sexualität. Welch versteht diesen Mechanismus: „Süchtige leben mit Scham... wenn Scham zuschlägt, ist sie so unangenehm, dass man sich selbst betäuben muss – und was wäre da ein besseres Betäubungsmittel als die eigene Sucht?"
Andere Menschen sehen Ablehnung überall, auch wo es keine gibt. Sie leben in einer Art hyperviliganten Zustand, ständig auf der Suche nach Zeichen der Verachtung. Sie überinterpretieren einen flüchtigen Blick oder ein zu knappes „Hallo". Das Leben wird zu einem Minengeld, und jede Begegnung könnte die nächste Demütigung bringen.
Und es gibt noch einen anderen Weg, wie Ablehnung uns prägt: Wir wenden sie gegen andere. Der Junge, der in der Schule gehänselt wird, wird der Hänsler in seinem Team. Der Mann, der von seinem Vater abgelehnt wurde, lehnt seinen eigenen Sohn ab. Die Beschämung wird weitergegeben wie eine vererbte Krankheit von Generation zu Generation.
Jesus – der König, der selbst Ausgestoßener wurde
Hier kommt eine Drehung in der Geschichte, die alles verändert. Die biblische Botschaft ist nicht, dass Gott fern ist von den Verletzten, den Ausgestoßenen, den Beschämten. Nein – die Bibel zeigt einen Gott, der sich besonders um sie kümmert.
Denke an die Geschichte der ägyptischen Sklavin Hagar im Alten Testament. Sie wurde von Abraham und Sarah – von denen, die über Macht hatten – schlecht behandelt und davongejagt. Sie war schwanger, verlassen, am Rande des Todes in der Wüste. Und dann geschieht etwas Unerwartetes: Der Gott des Universums sucht sie auf. Er sieht sie. Niemand hätte erwartet, dass der allmächtige Gott Zeit für eine unwichtige Magd hätte. Und doch war er besonders aufmerksam gegenüber den Ausgegrenzten und Vergessenen – gegenüber ihr.
Aber noch extremer: Jesus, der König selbst, wurde zum Ausgestoßenen.
Das ist nicht nur ein theologisches Konzept – das ist die Realität seiner Biographie. Von seiner Geburt bis zur Kreuzigung wurde die Scham der Welt zu ihrer konzentriertesten Form verdichtet und ergoss sich über ihn. Er wurde verachtet, beleidigt, als unehrenhaft behandelt, als Freund von Sündern gebrandmarkt, und – in seinen dunkelsten Momenten – sogar von denen verlassen, die ihn am besten kannten.
Markus 14 zeigt uns die furchtbare Ablehnung, die Jesus erlebte:
Ein Verräter aus seinen innersten Kreis – Judas – lieferte ihn aus. Ein Freund – Petrus – verleugnete ihn dreimal und sagte, dass er ihn nie gekannt hatte. Und dann geschah das Schrecklichste: „Und sie alle verließen ihn und flohen." Alle. Jeder einzelne.
Sie spuckten auf ihn. Sie verspotteten ihn. Sie zogen ihn aus und kreuzigten ihn nackt vor der ganzen Stadt. Er wurde zum Schimpfwort, zum Spott, zur Ablehnung in ihrer reinsten Form.
Welch schreibt mit einer Art staunendem Schmerz: „Jesus ist das Lamm-König, der Ausgestoßene-König, der nackte König." Er wurde das, was wir sind – damit wir werden könnten, was er ist.
Die Berührung, die alles verändert
Im Judentum zur Zeit Jesu gab es eine strikte Regel: Man durfte Aussätzige nicht berühren. Sie waren die Unberührbaren. Sie wurden aus der Gesellschaft ausgestoßen und mussten Warnrufe ausstoßen, wenn jemand Gesundes sich näherte. Sie waren körperlich und sozial isoliert.
Dann kommt eine Geschichte, die diese ganze Ordnung umkehrt:
Ein aussätziger Mann nähert sich Jesus. Er fällt auf die Knie. Er sagt: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen." Und Jesus – Jesus tat etwas, das niemand tun würde. Er streckte die Hand aus und berührte ihn.
Denke über diese Berührung nach. Sein Fleisch berührte das Fleisch dieses Aussätzigen. Nach jüdischer Tradition hätte Jesus sich damit selbst unrein gemacht. Aber es geschah etwas völlig anderes. Nicht die Unreinheit des Aussätzigen ging auf Jesus über. Stattdessen floss Heiligkeit von Jesus zum Aussätzigen. Er wurde gereinigt.
Welch bemerkt etwas Revolutionäres: „Heiligkeit ist ansteckend und mächtiger als jede Verunreinigung."
Das ist die zentrale Umwertung des Evangeliums. Im alten System war das Böse, Schmutzige, Unreine ansteckend. Wenn du mit etwas Unheiligem in Berührung kamst, wurdest du unheilig. Aber mit Jesus kehrt sich alles um. Seine Heiligkeit überflutet das Unreine und heilt es.
Und dann sagt Jesus etwas, das die Grundlagen der Realität erschüttert: „Nichts außerhalb eines Menschen kann ihn unrein machen. Es sind die Dinge, die aus dem Herzen kommen, die einen Menschen unrein machen."
Mit anderen Worten: Du kannst nicht von außen kontaminiert werden. Nur dein eigenes Herz kann dich unrein machen. Und selbst das – selbst die Sünde in deinem Herzen – wird nicht durch deine Unreinheit von jemandem anderem übertragen. Du bist nicht beschädigt, weil dir etwas Schlimmes angetan wurde. Du wirst nur unrein, wenn du dich in Sünde hineinbegiebst.
Das ist befreiend. Das bedeutet, dass das Etikett, das dir jemand anderes aufgeklebt hat – „Du bist beschädigt", „Du bist unrein", „Du gehörst nicht hier hin" – nicht rechtskräftig ist. Es ist gültig in den Augen der Welt, aber nicht in den Augen Gottes.
Eine neue Identität wartet
Was geschieht mit einem Menschen, der zu Jesus kommt? Was geschieht mit jemand, dessen ganze Identität von Ablehnung geprägt war?
Welch schreibt mit einer Art stillem Staunen: „Du gehst vom Nichts zur Königlichkeit."
Das ist keine Metapher. Das ist die Realität. Der Mensch, der sich selbst als Wertloses sah, wird ein Königskind. Der Ausgestoßene wird ein Mitglied der Familie. Der Unwillkommene wird willkommen. Der Isolierte wird vereint mit Jesus und seinem Volk.
Die Bibel sagt es so: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum."
Es ist nicht so, dass du deine alte Ablehnung vergisst und vorwärts gehst. Nein – etwas viel Tieferes geschieht. Deine ganze Identität wird neu geschrieben. Du warst unwillkommen; jetzt bist du ausgewählt. Du warst unrein; jetzt bist du heilig. Du warst allein; jetzt bist du Teil eines Volkes. Du warst wertlos; jetzt bist du Eigentum des Königs.
Welch sagt schlicht: „Gott hat dich geehrt. Das Evangelium ist die Geschichte, wie er es tat."
Und die Einladung? Die Einladung ist nicht: „Komm, wenn du gut genug bist." Die Einladung, die Jesus gibt – zuerst an Petrus nach der Auferstehung, und dann an dich und mich – ist diese: „Komm und iss."
Stellt euch vor: Du hast denjenigen verraten, den du liebst. Du kennst genau, wie schlecht du bist. Du erwartest Verurteilung, Verachtung, vielleicht sogar Vernichtung. Und stattdessen sitzt der König am Ufer, hat ein Feuer angezündet, hat Fisch gebraten, und sagt: „Komm und iss Frühstück mit mir." Das ist nicht Verdienst. Das ist nicht Belohnung für Gutes. Das ist Gnade in ihrer reinsten Form.
Der Weg zur Heilung: Neun praktische Schritte
Die Heilung von Ablehnung ist kein Moment – es ist ein Prozess. Aber es gibt konkrete Wege, auf denen wir gehen können.
Erste Schritt: Bringe deine Ablehnung in Worte
Das erste, was Welch empfiehlt, ist deceptively einfach: Sag es laut. Was ist dir angetan worden? Wie hast du dich dadurch definiert? Wie fühlst du dich weiterhin als Ausgestoßener? Wie fühlst du dich entblößt? Wie fühlst du dich unrein?
Viele von uns haben unsere Ablehnung so lange eingesperrt, dass sie Teil unseres unbewussten Selbstverständnisses geworden ist. Aber wenn wir anfangen, darüber zu sprechen – zunächst vielleicht nur mit uns selbst, dann vielleicht mit einem vertrauenswürdigen Freund oder Therapeuten, und schließlich mit Gott – verliert sie etwas von ihrer Macht.
Zweiter Schritt: Wende dich deinem Retter zu
Das ist nicht dasselbe wie Selbstakzeptanz. Nicht: „Ich werde lernen, mich selbst zu lieben." Sondern vielmehr: „Ich wende mich dem zu, dessen Liebe bereits sicher ist."
Das ist der entscheidende Unterschied. Glaube ist nicht das Ergebnis, wenn du deine innere Stärke findest und dich selbst umarmt. Glaube ist, wenn du dich einem anderen zuwandtest, der bereits für dich gekommen ist.
Dritter Schritt: Lass deine Füße waschen
Jesus wusch den Jüngern die Füße – ein Akt extreme Demütigung für den Meister. Und er tat es auch für Judas, seinen Verräter. Und später, nach der Auferstehung, wäscht er unsere Füße in der Form von Sakramenten.
Die Taufe ist das Zeichen von Neubeginn, von Reinigung, von Umkehr und Einbindung in die Familie Gottes. Es sagt: „Du wirst gereinigt. Du gehörst hier hin." Das Abendmahl ist die wiederholte Einladung: „Komm und iss. Du bist willkommen an meinem Tisch."
Vierter Schritt: Komm zum Frühstück
Das ist mehr als Metapher. Das ist die Erfahrung von Vergebung, Annahme und Gemeinschaft. Es ist, dass man weiß, dass man nicht nur am Rande sitzt, sondern am Tisch selbst, mit offenen Armen willkommen geheißen wird.
Fünfter Schritt: Halte aus im Kampf
Heilung ist kein linearer Prozess. Es gibt Rückschläge. Es gibt Momente, in denen die alte Stimme – die Stimme der Ablehnung, der Unwürdigkeit, der Wertlosigkeit – wieder laut wird. Aber der Ruf des Evangeliums ist beständig: Halte aus. Halte fest an der Gnade und Kraft, die vom wahren König kommt.
Sechster Schritt: Wende dich anderen zu
Und dann geschieht etwas Bemerkenswertes. Der Weg weg von Scham führt nicht in die Einsamkeit. Er führt nach außen – zuerst zu Gott, dann zu anderen Menschen. Der Mensch, der von Ablehnung geprägt war, wird zum Menschen, der andere ehrt. Der Isolierte wird zum Einladenden. Die Schande wird zum Zeugnis.
Siebenter Schritt: Lerne, in Schwachheit zu rühmen
Die Welt sagt: „Verstecke deine Schwachheit. Zeige deine Stärke." Das Evangelium sagt etwas andikales Gegenteiliges. Der Apostel Paulus schreibt: „Wenn ich mich rühmen muss, werde ich mich der Dinge rühmen, die meine Schwachheit zeigen."
Warum? Weil die Stärke Gottes in unserer Schwachheit vollkommen wird. Je mehr wir akzeptieren, dass wir zerbrochen sind, desto mehr Platz machen wir für Gottes Kraft. Schwachheit wird zur Einladung für Gottes Wirken.
Achter Schritt: Ehre andere
Eines der merkwürdigsten Gesetze des Reiches Gottes ist dies: Wenn du andere ehrst, wirst du geehrt. Wenn du andere siehst und sagt: „Du bist wertvoll, Du gehörst hier hin, Du bist geliebt" – brichst du den Kreislauf der Ablehnung. Du schaffst den Raum für Gnade, nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere.
Neunter Schritt: Halte das Ende im Blick
Eines der Dinge, die Welch immer wieder betont, ist dies: Jesus interpretierte Schwierigkeiten immer im Licht des Endes der Geschichte. Und am Ende der Geschichte werden wir ohne Scham sein. Es wird keine Ablehnung mehr geben. Es wird keine Isolierung mehr geben. Es wird keine Unreinheit mehr geben. Es wird nur Ehre geben, Annahme, Gemeinschaft, Liebe – für immer.
Das ist keine spirituelle Flucht aus der gegenwärtigen Realität. Es ist der Grund, warum wir heute aushalten können. Weil wir wissen, wohin wir gehen.
Der Umbau deiner inneren Landschaft
Aber persönlich sind diese neun Schritte nicht genug. Es gibt tiefe Denkweisen, die sich verändern müssen, wenn wir wirklich von Ablehnung frei werden wollen.
Von „Ich verdiene diese Wunde" zu „Ich empfange Gnade"
Scham flüstert dir zu: „Du verdienst diese Schmerzen. Du verdienst diese Einsamkeit. Du verdienst diese Ablehnung." Und deshalb kannst du gute Worte nicht hören. Wenn dir jemand sagt: „Du bist wertvoll," antwortest du im Geiste: „Ja, aber nicht für mich. Das ist für jemand anderen, jemanden weniger Beschädigten."
Aber das Evangelium sagt etwas Ungeheuerliches: Gott sagt gute Worte genau zu denen, die sich unwürdig fühlen. Seine Gnade ist am kraftvollsten dort, wo sie am wenigsten verdient ist.
Von „Gott ist wie Menschen" zu „Gott ist heilig anders"
Wenn Menschen dich ablehnt haben, magst du unbewusst denken: „Wenn ich zu Gott gehe, werde ich die gleiche Ablehnung erfahren." Aber Welch betont wieder und wieder: Gott ist nicht wie deine Eltern, dein Ehepartner, dein Chef, oder die Schulkinder, die dich gehänselt haben. Sein Standard ist völlig verschieden. Seine Reaktion auf deine Scham ist völlig anders.
Von Selbstschutz zu Vertrauen
Wenn du von Ablehnung geprägt bist, ist dein natürlicher Impuls: Schütze dich. Verstecke dich. Verbarikadiere dein Herz. Das ist verständlich – es ist eine Überlebensstrategie. Aber es ist auch eine, die isoliert und die Heilung verhindert.
Der Weg zur Heilung führt in die entgegengesetzte Richtung: Entblößung. Verletzlichkeit. Vertrauen. Es ist, dein Herz wieder zu öffnen und zu riskieren, verletzt zu werden – weil du weißt, dass du bei Jesus sicher bist.
Von weltlichen Maßstäben zu Gottes Maßstäben
Die Welt sagt: „Du bist wertvoll, wenn du erfolgreich bist, wenn du schön bist, wenn du anderen gefällst." Das Evangelium sagt etwas radikal anderes.
Die Seligpreisungen von Jesus sind eine komplette Umwertung aller Werte:
„Selig sind die Armen im Geiste... Selig sind die Trauernden... Selig sind die Sanftmütigen... Selig sind die nach Gerechtigkeit hungern..."
Welch bemerkt: „Jesus ordnet die gesellschaftlichen Strukturen von Scham und Ehre dauerhaft neu." Es ist nicht die erfolgreichsten, glücklichsten, vollkommensten Menschen, die Segen finden. Es sind die Demütigen, die Weinenden, die Hungernden nach Gerechtigkeit. Es sind die Schwachen, die Verletzlichen, die Verletzten.
Mit anderen Worten: Die Dinge, für die die Welt dich ablehnt – deine Fehler, deine Verletzlichkeit, deine Bedürftigkeit – sind genau die Dinge, die dich für Gottes Gnade qualifizieren.
Die Einladung steht
Jesus schämt sich nicht, mit dir verbunden zu sein!
Nicht: Wenn du dich änderst. Nicht: Wenn du es verdienst. nNicht: Wenn du gut genug wirst.
Jetzt. Heute. So wie du bist. Der König der Könige – der alles haben könnte, von dem alles abhängt, dessen Ehre unerschütterlich ist – schämt sich nicht, mit dir verbunden zu sein.
Das ist nicht rational. Das ergibt keine Logik nach den Maßstäben der Welt. Aber das ist die Kernbotschaft des Evangeliums.
Und mehr noch: Die Einladung steht. Der Tisch ist gedeckt. Das Feuer brennt. Und Jesus sagt zu dir, wie er zu Petrus sagte – zu diesem Mann, der ihn verleugnet hatte, der ihn im Stich gelassen hatte, der sich total unwürdig fühlte – dieser eine Satz, der alles verändert:
„Komm und iss."
Zum Weiterdenken
Fragen für dein Herz:
Welche Erfahrungen von Ablehnung prägen dein Selbstbild am meisten?
Wenn du Gottes Stimme in deinem Leben hörst – nicht die kritischen Stimmen der Welt, sondern Gottes Stimme – was würde sie dir über deinen Wert sagen?
Wo versteckst du dich aus Angst vor weiterer Ablehnung?
Welche alten Denkweisen müssen sich in deinem Herzen verändern, um Gottes Akzeptanz wirklich zu glauben?
Wen könntest du heute ehren und ihm das Gefühl geben, willkommen zu sein?
Bibelstellen:
Genesis 16 – Hagar, die Ausgestoßene, wird von Gott gesehen und geliebt
Jesaja 54:1-5 – Die Verheißung für diejenigen, die sich beschämt und verlassen fühlen
Matthäus 8:1-3 – Jesus berührt den Aussätzigen und heilt ihn
Johannes 4 – Jesus spricht mit der Samariterin, der Frau, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurde
Johannes 21 – Jesus lädt Petrus zum Frühstück ein und stellt seine Liebe wieder her
Hebräer 12:2 – Jesus verachtete die Scham und sitzt nun zur Rechten Gottes
Petrus 2:9-10 – Deine neue Identität in Christus
Basierend auf Edward T. Welchs Werk "Shame Interrupted: How God Lifts the Pain of Worthlessness and Rejection"



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