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Umgang mit Ablehnung

Aktualisiert: 27. Jan.

Etwas ablehnen bedeutet zu etwas nein sagen; etwas zurückweisen oder missbilligen. [1]


Das Erleben von Ablehnung kann äußerst schmerzhaft sein und Gefühle der Wertlosigkeit und Unerwünschtheit hervorrufen. Solche Erfahrungen können tiefe Wunden hinterlassen, die möglicherweise über Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte, anhalten. Kürzlich beobachtete ich während einer Fahrradfahrt eine Gruppe von Jugendlichen, die mit harschen Worten kommunizierten. Ihr Verhalten schien jedoch nicht auf einen Streit hinzuweisen; es schien eher, als ob dies ihre normale Art der Kommunikation wäre.

Das ständige Ausgesetztsein gegenüber abwertenden Bemerkungen kann das Selbstbild der Jugendlichen erheblich beeinträchtigen. Sie könnten anfangen zu glauben, dass sie wirklich wertlos oder unerwünscht sind, was ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl untergraben kann.

Um sich gegen die schmerzhaften Effekte solcher Ablehnung zu schützen, könnten Jugendliche Abwehrmechanismen entwickeln. Dies kann sich in Form von Aggressivität, Ironie, Sarkasmus oder emotionaler Distanzierung äußern, was wiederum ihre Fähigkeit zur Bildung gesunder, unterstützender Beziehungen beeinträchtigen kann.

Ich selbst weiß aus meiner Geschichte, dass so ein Umgang negative Spuren hinterlassen kann. Langfristig kann eine ständige Exposition gegenüber solcher Negativität zu chronischen psychischen Problemen führen, einschließlich Depressionen, Angstzuständen und geringem Selbstwertgefühl.

Jeder von uns begegnet im Laufe seines Lebens Ablehnung. Zwar führt nicht jede dieser Erfahrungen zu tiefgreifenden Verletzungen, doch sie prägen uns dennoch. In diesem Beitrag möchte ich dir Wege aufzeigen, wie du konstruktiv mit Ablehnung umgehen und sie bewältigen kannst.

Jesus erlebte Ablehnung

Jesus selbst durchlebte den tiefen Schmerz der Ablehnung. In Matthäus 21,42  spricht er metaphorisch von sich selbst, indem er sagt: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist das Werk des Herrn, und es ist wunderbar anzusehen.“ Der Eckstein, als Grundstein, ist entscheidend für den Bau eines Gebäudes. Gegen Ende seines Wirkens erfuhr Jesus zunehmende Ablehnung von den Menschen, die schließlich in seiner Kreuzigung gipfelte. Daher verstand Jesus aus eigener Erfahrung, was Ablehnung bedeutet. Wenn du Ablehnung erfährst, kannst du dich daran erinnern, dass Jesus deine Gefühle versteht und mit dir mitfühlt.

Der verborgene Schmerz, den Ablehnung verursacht, kann tief in der Seele wurzeln und den Geist zerrütten. Oft sind die Anzeichen dieser inneren Qual auch für Außenstehende sichtbar oder spürbar. Wenn eine geliebte Person sich abwendet, kann dies die Lebensfreude abrupt beenden, ähnlich wie ein nasses Tuch, das eine Flamme erstickt. Zurückgewiesen zu werden kann deine Sicht auf andere nachhaltig trüben und schweren Schaden in deinen Beziehungen anrichten. Besonders tragisch ist, dass Ablehnung oft zu weiterer Ablehnung führt. Zwar ist es unvermeidlich, gelegentlich Zurückweisung oder Ungerechtigkeit zu erfahren, aber indem du dich daran erinnerst, dass deine wahre Identität in deiner Beziehung zum Herrn und nicht in der Akzeptanz durch andere liegt, kannst du die Erkenntnis erlangen, die Paulus in seinem Vers beschreibt. [2]


June Hunt führt folgende äußere Anzeichen von Ablehnung:

  • Missbrauch: Andere und sich selbst schlecht behandeln.

  • Sucht: Zu süchtig machenden Mitteln greifen, um den eigenen Schmerz zu lindern.

  • Zorn: Verbitterung gegenüber anderen und sogar Gott empfinden.

  • Gleichgültigkeit: Aufgeben und eine Haltung der Teilnahmslosigkeit einnehmen.

  • Arroganz: Sich anderen gegenüber überlegen darstellen.

  • Wettbewerbsdenken: Das Bestreben, immer der Beste sein zu müssen.

  • Kritische Einstellung: Andere herabwürdigen und abwertend behandeln.

  • Defensive Haltung: Diskussionen führen, um sich selbst zu verteidigen.

  • Dominanzstreben: Den Wunsch haben, andere und Situationen zu kontrollieren.

  • Übertreibung: Angeben, um andere zu beeindrucken.

  • Hass: Starke Abneigung, vor allem gegen sich selbst.

  • Isolation: Aus Selbstschutz zum Einzelgänger werden.

  • Neid: Den Erfolg und Vorschlägen anderer missgünstig gegenüberstehen.

  • Rigorismus: Sich an strenge Regeln klammern und in Schwarz-Weiß-Kategorien denken.

  • Menschenfokussierung: Zwanghaft versuchen, anderen zu gefallen.

  • Perfektionismus: Sich als Versager fühlen, wenn die eigene Leistung nicht makellos ist.

  • Leistungsabhängige Akzeptanz: Glauben, nur bei guter Leistung Anerkennung zu finden.

  • Rebellion: Sich gegen Autoritäten zur Wehr setzen.

  • Unterwürfigkeit: Sich in Gegenwart anderer unterordnen.

  • Disziplinlosigkeit: An mangelnder Selbstdisziplin im persönlichen Leben und in Beziehungen leiden.

  • Rachsucht: Den Wunsch haben, sich an anderen zu rächen.


McGee beschreibt in seinem Buch "The Search for Significance" einen Zyklus der Ablehnung, der aus mehreren aufeinanderfolgenden Phasen besteht:

Negative Überzeugungen:

  • Ich benötige die Anerkennung anderer.

Negative Gedanken:

  • ‌Niemand liebt mich.

  • ‌ Ich bin unwichtig.

  • Niemand akzeptiert mich.

Negative Gefühle:

  • ‌Ich fühle mich abgelehnt!

‌Negative Verhaltensweisen:

  • ‌Andere ablehnen.

  • ‌Bitterkeit gegenüber anderen entwickeln.

  • ‌Andere verurteilen.

  • ‌Sich von anderen zurückziehen. [3]

Dieser Zyklus illustriert, wie eine negative Grundüberzeugung über die Notwendigkeit von Anerkennung durch andere zu negativen Gedanken über die eigene Person führen kann. Diese Gedanken wiederum erzeugen Gefühle der Ablehnung, die sich in negativen Verhaltensweisen manifestieren, wie etwa der Ablehnung anderer, Bitterkeit, Verurteilung und dem Rückzug aus sozialen Kontakten.

McGee schlägt in seinem Buch "The Search for Significance" vor, den negativen Zyklus der Ablehnung durch einen positiven zu ersetzen, der auf neuen Überzeugungen, Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen basiert:

Neue Überzeugungen:‌

  • Ich brauche die Anerkennung durch andere nicht immer, weil ich die Anerkennung Gottes habe.

‌Neue Gedanken:

  • ‌Gott liebt mich bedingungslos.

  • Ich bin in Gottes Augen wichtig.

  • Gott akzeptiert mich bedingungslos.

‌Neue Gefühle:

  • ‌Ich fühle mich angenommen!

Neue Verhaltensweisen:

  • ‌Andere annehmen.

  • Anderen vergeben.

  • Das Gute in anderen sehen.

  • Sich um andere kümmern. [4]

Dieser positive Kreislauf beginnt mit der Überzeugung, dass göttliche Anerkennung wichtiger ist als menschliche, was zu Gedanken der bedingungslosen Liebe und Akzeptanz durch Gott führt. Diese Gedanken führen zu Gefühlen der Annahme und schließlich zu Verhaltensweisen, die von Akzeptanz, Vergebung, Wertschätzung und Fürsorge für andere geprägt sind.

Das Beispiel Joseph


Die Geschichte von Josef, wie sie im Buch Genesis Kapitel 37 bis 50 erzählt wird, ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man positiv auf wiederholte Ablehnung reagieren kann. Josef, von seinem Vater Jakob losgeschickt, um seine Brüder auf dem Feld zu suchen, wird von diesen verraten und zum Tode verurteilt. Schließlich verkaufen sie ihn an Händler, die ihn nach Ägypten bringen, wo er als Sklave an Potiphar verkauft wird. Trotz dieser extremen Form von Ablehnung und Verrat verliert Josef nicht den Glauben und gibt sich nicht der Bitterkeit hin. Er bleibt standhaft und vertraut Gott, statt ihm die Schuld zu geben. Als zuverlässiger und fleißiger Arbeiter bewährt er sich in jedem ihm zugewiesenen Bereich.

Als Potiphars Frau Josef zu verführen sucht und er aufgrund seiner Zurückweisung fälschlicherweise ins Gefängnis geworfen wird, hätte Josef viele Gründe gehabt, Hass und Verbitterung zu hegen. Doch er wählt einen anderen Weg.

Zweiundzwanzig Jahre später, als eine Hungersnot sein Heimatland heimsucht, kommen seine Brüder nach Ägypten, um Nahrung zu kaufen, ohne zu ahnen, dass ihr eigener Bruder, den sie verraten hatten, nun der Premierminister Ägyptens ist. Diese Situation hätte für Josef eine perfekte Gelegenheit zur Rache sein können. Stattdessen wählt er den Weg der Vergebung und Versöhnung. Er offenbart sich seinen Brüdern unter Tränen und bietet ihnen Hilfe statt Vergeltung an. Seine Worte in

Genesis 50,20

, dass das von seinen Brüdern Böse beabsichtigte von Gott zum Guten gewendet wurde, um ein großes Volk am Leben zu erhalten, zeigen seine tiefe Erkenntnis, dass selbst in schweren Zeiten Gottes Hand am Werk ist.

Josefs Geschichte lehrt uns, dass man auch auf tiefe Ablehnung und Verrat mit Vergebung und Vertrauen in eine höhere Führung reagieren kann. Sie zeigt, wie aus Verzweiflung und Schmerz letztlich Gutes entstehen kann, wenn man sich für Verständnis und Versöhnung statt für Rache entscheidet. [5]


 

Quelle

[1] „ablehnen“. Wiktionary, 2. September 2023. Wiktionary, https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=ablehnen&oldid=9872015.

[2] June Hunt, "Schlüssel zur biblischen Seelsorge", übersetzt von Georg Huber, Band 1–5, Precept Ministries International, Straubing, 2006–2008.

[3] McGee, The Search for Significance, 135.

[4] McGee, The Search for Significance, 136.

[5] June Hunt, "Schlüssel zur biblischen Seelsorge", übersetzt von Georg Huber, Band 1–5, Precept Ministries International, Straubing, 2006–2008.

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