Iran, Endzeit und die Hoffnung der Christen
- vor 5 Tagen
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Orientierung in unruhigen Zeiten – Warum wir nicht in Panik geraten müssen
„Von allen Menschen auf dieser Welt sollten wir am wenigsten ängstlich in die Zukunft blicken – besonders wenn es um globale Ereignisse geht. Denn wir wissen, wie der Film endet." — Greg Laurie
Wenn die Nachrichten uns den Atem rauben
Die Bilder aus dem Iran und dem Nahen Osten beunruhigen. Raketen fliegen, Drohungen werden ausgesprochen, und in den sozialen Medien überschlagen sich die Schlagzeilen: Steht der Dritte Weltkrieg bevor? Befinden wir uns in den letzten Tagen? Ist das, was wir gerade erleben, die Erfüllung biblischer Prophetie?
Diese Fragen sind verständlich. In unserer Gemeinde erreichen mich immer wieder besorgte Anfragen von Menschen, die verunsichert sind. Manche haben Angst. Andere sind verwirrt, weil sie im Internet auf die unterschiedlichsten „Endzeitexperten" stoßen, die aktuelle Ereignisse mit biblischen Prophezeiungen verknüpfen.
Dieser Artikel soll Orientierung geben. Nicht mit schnellen Schlagzeilen oder sensationshungrigen Behauptungen, sondern mit einer nüchternen, schriftgebundenen Sicht. Denn gerade in unruhigen Zeiten brauchen wir keine Panik, sondern biblische Klarheit. Und diese Klarheit besteht nicht darin, jede prophetische Verbindung zu bestreiten, sondern darin, wachsam, demütig und hoffnungsvoll zu bleiben.
1. Was die Bibel über Iran und Persien sagt
Der biblische Hintergrund
Der Iran hat in der Bibel eine lange Geschichte. Das antike Persien – und sein Teilgebiet Elam – spielen in der Heilsgeschichte eine bedeutende Rolle. Der persische König Kyros wurde von Gott sogar als sein „Gesalbter" bezeichnet (Jesaja 45,1), weil Gott ihn gebrauchte, um Israel die Rückkehr aus dem Exil zu ermöglichen. Daniel empfing zentrale Visionen im persischen Umfeld. Und in Daniel 10,13 ist ausdrücklich vom „Fürsten des Königreichs Persien" die Rede – einem Hinweis auf geistliche Kampfführung und dämonische Mächte, die über Nationen wirken.
Deshalb ist es kein Zufall, dass bibellesende Christen auf Entwicklungen im Iran mit besonderer Aufmerksamkeit schauen. Nicht weil jede aktuelle Nachricht automatisch eine Prophetie erfüllt, sondern weil Persien in Gottes Wort eine reale heilsgeschichtliche Rolle spielt – bis in die prophetische Zukunft hinein.
Die prophetischen Texte
Wenn es um den Iran in der biblischen Prophetie geht, werden vor allem zwei zentrale Texte genannt.
Jeremia 49,34–39 spricht über Elam – eine Region, die im heutigen Iran liegt. Gott kündigt an, den „Bogen Elams" zu zerbrechen, also seine militärische Stärke zu treffen. Zugleich ist von Zerstreuung in alle vier Himmelsrichtungen die Rede, aber auch von einer künftigen Wiederherstellung:
„Aber in den letzten Tagen werde ich das Geschick Elams wenden, spricht der HERR." (Jeremia 49,39)
Jack Hibbs, ein bekannter Bibellehrer weist darauf hin, dass die Zerstreuung vieler Iraner seit 1979 bemerkenswert an diesen Text erinnert:
„Elam, Persien, wurde noch nie zuvor in alle vier Windrichtungen zerstreut – niemals. Bis zum Februar 1979, als der Schah fiel und die islamischen Radikalen übernahmen."
Heute sind die Proteste der persischen Diaspora weltweit sichtbar – in Los Angeles, London, Berlin. Hibbs sieht darin möglicherweise die Vorbereitung des Sturzes des „Königs und seiner Fürsten", also des iranischen Regimes. Man muss an dieser Stelle sorgfältig bleiben – nicht jede historische Parallele ist automatisch die endgültige Erfüllung einer Prophetie. Aber ebenso falsch wäre es, solche Entwicklungen einfach wegzuerklären. Wer die Bibel ernst nimmt, wird nicht behaupten, aktuelle Ereignisse seien bedeutungslos. Er wird sie aufmerksam beobachten.
Hesekiel 38–39 beschreibt den Angriff einer Völkerallianz gegen Israel unter der Führung von „Gog aus dem Land Magog". Unter den Verbündeten wird ausdrücklich auch Persien genannt (Hesekiel 38,5). Für bibeltreue Ausleger ist das ein klarer Hinweis darauf, dass der Iran in den endzeitlichen Entwicklungen eine Rolle spielen wird.
Wichtig ist dabei eine Beobachtung vieler Bibelausleger: Hesekiel 38 kann erst dann eintreten, wenn Israel in Sicherheit und Frieden lebt – „in Dörfern ohne Mauern" (Hesekiel 38,11). Das ist aktuell noch nicht der Fall.
Ein Ausleger schlägt vor, Hesekiel 38 und Jeremia 49 „wie Folien übereinanderzulegen" – sie laufen teilweise parallel, driften dann aber auseinander, was darauf hindeutet, dass es sich um separate, aber zusammenhängende Ereignisse handeln könnte.
Die wichtige Frage: Was bedeutet das für heute?
Hier ist Nüchternheit nötig – aber nicht Skepsis gegenüber jeder konkreten prophetischen Einordnung. Es stimmt: Christen haben sich in der Geschichte immer wieder in einzelnen Zuordnungen geirrt. Das sollte uns demütig machen. Aber frühere Fehlinterpretationen beweisen nicht, dass konkrete prophetische Hinweise heute bedeutungslos wären.
Gerade das ist entscheidend: Die Fehlbarkeit von Auslegern widerlegt nicht die Klarheit der Prophetie. Sie mahnt uns nur, bescheiden zu bleiben.
Wenn Persien in Hesekiel 38 ausdrücklich genannt wird, dann ist es nicht abwegig, Entwicklungen im Iran mit besonderer Aufmerksamkeit wahrzunehmen. Wer hier jede Verbindung zwischen Bibeltext und Gegenwart grundsätzlich ablehnt, entleert Prophetie ihres realen Gehalts.
Wichtig! Die Bibel gibt uns keine Lizenz zur Panik – aber auch keine Erlaubnis zur prophetischen Gleichgültigkeit.
2. Was wir wirklich wissen – und was nicht
Was die Bibel klar sagt
Es gibt Dinge, die uns die Bibel mit großer Klarheit mitteilt:
Jesus Christus kommt wieder. Das ist die zentrale Hoffnung der Gemeinde.
Es wird Kriege und Kriegsgerüchte geben bis zu seiner Wiederkunft (Matthäus 24,6).
Israel spielt in Gottes Heilsplan weiterhin eine besondere Rolle. Gottes Verheißungen an Abraham, Isaak, Jakob und David sind nicht aufgehoben. Paulus fragt in Römer 11: „Hat Gott sein Volk verstoßen?" – und antwortet entschieden: „Das sei ferne!"
Gott hat die Geschichte in seiner Hand. Kein Ereignis überrascht ihn. Er steht außerhalb der Zeit und kennt das Ende von Anfang an.
Am Ende siegt Gott. Das ist die übergreifende Botschaft aller biblischen Prophetie.
Die Gemeinde lebt in Erwartung der Wiederkunft Christi.
Was wir nicht wissen
Gleichzeitig müssen wir ehrlich sagen: Die Bibel gibt uns nicht jeden einzelnen Schritt in der Sprache moderner Geopolitik. Sie nennt nicht jede heutige Nation mit ihrem aktuellen Namen. Sie gibt uns auch nicht zu jeder Schlagzeile eine sofortige, unfehlbare Deutung.
Aber daraus folgt nicht, dass sie uns keinen prophetischen Rahmen gäbe. Die Bibel ist kein leerer Spiegel, in den jede Generation beliebig etwas hineinliest. Sie sagt genug, um uns wachsam zu machen. Sie sagt genug, um uns zu zeigen, dass Israel, die Nationen und die Wiederkunft Christi heilsgeschichtlich auf einen Höhepunkt zulaufen.
Darum ist zweierlei falsch:
Aus jeder Krise sofort eine sichere Endzeitchronologie zu bauen.
Aus Angst vor Fehlinterpretationen jede konkrete Prophetie aufzulösen.
Die richtige Haltung ist: biblische Wachsamkeit.
Angst ist ein Feind. Sie lähmt.
Wachsamkeit dagegen befreit – weil sie uns nicht auf die Krise fixiert, sondern auf den, der über der Krise steht.
3. Warum wir nicht in Panik geraten müssen
Grund 1: Gott steht über der Geschichte
Gerate nicht in Panik – bete! … Kein Ereignis überrascht Gott. Alles, was im Leben passiert, ist entweder von Gott bewirkt oder zugelassen und dient einem Zweck.
Denk an Joseph: Was böse gedacht war, wendete Gott zum Guten (1. Mose 50,20). Gott steht außerhalb der Zeit und kennt alle Dinge im Voraus – nicht weil er die Freiheit des Menschen aufhebt, sondern weil seine Souveränität größer ist als jede menschliche Entscheidung.
Als Christen haben wir das Privileg, die Weltgeschichte aus der Perspektive der Ewigkeit zu sehen. Während andere nur auf Schlagzeilen und Krisen reagieren, sagt Jesus:
„Wenn ihr aber seht, dass dies anfängt zu geschehen, dann blickt auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht." (Lukas 21,28)
Aufschauen statt niederstarren. Hoffnung statt Panik. Das ist die christliche Haltung.
Grund 2: Prophetie soll Glauben stärken, nicht Angst erzeugen
Jesus sagte:
„Und nun habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschieht." (Johannes 14,29)
Biblische Prophetie ist nicht gegeben, um die Gemeinde in Angst zu versetzen, sondern um ihren Glauben zu stärken. Sie zeigt uns: Gott kennt das Ende von Anfang an. Was für die Welt chaotisch aussieht, steht nie außerhalb seiner Herrschaft.
Biblische Prophetie soll uns Hoffnung und Perspektive geben. Sie ist nicht dazu da, uns Angst zu machen, sondern uns vorzubereiten.
Wenn du in den letzten Wochen Angst bekommen hast durch das, was du in den Nachrichten gesehen hast – dann erinnere dich: Gott hat diese Dinge vorhergesagt, damit du ihm vertraust, nicht damit du dich fürchtest.
Grund 3: Wir wissen, wie es ausgeht
Römer 8,28 bleibt auch in geopolitischen Krisen wahr:
„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen."
Die Bibel endet nicht in Dunkelheit, sondern in Triumph. Jesus Christus wird sichtbar herrschen. Das Böse wird gerichtet. Satan wird besiegt. Israel wird Gottes Treue erkennen. Die Gemeinde wird bei ihrem Herrn sein. Und Gott wird alles neu machen.
Darum leben Christen nicht aus Angst vor dem, was kommt, sondern aus Hoffnung auf den, der kommt.
4. Das Wunder im Iran: Eine Geschichte, die Mut macht
Während viele nur die Bedrohung sehen, die vom iranischen Regime ausgeht, geschieht gleichzeitig etwas Erstaunliches: Gott wirkt im Iran in mächtiger Weise.
Jack Hibbs berichtet:
„Keine andere Nation auf dem Planeten hat mehr Bibeln, Predigten und biblisches Material heruntergeladen als der Iran. Die am schnellsten wachsende Kirche der Welt waren die iranischen Gläubigen."
Das ist eine der bewegendsten Geschichten unserer Zeit. Während das Regime unterdrückt, ruft Gott Menschen zu sich. Während politische Systeme Finsternis verbreiten, baut Christus seine Gemeinde. Selbst während der COVID-Pandemie wurden im Iran massiv Bibeln und Predigten heruntergeladen.
Ist das nicht genau Gottes Handschrift? Gerade dort, wo wir nur Gefahr vermuten, wirkt er an Herzen. Gerade im Schatten der Bedrohung schenkt er neues Leben. Gerade im Iran zeigt Gott, dass kein Regime sein Evangelium aufhalten kann.
Vielleicht ist das auch ein Echo von Jeremia 49,39:
„Aber in den letzten Tagen werde ich das Geschick Elams wenden, spricht der HERR."
Wo andere nur einen Feind sehen, sieht Gott Menschen, die er retten will. Manche Beobachter sprechen bereits von einer „evangelikalen Erweckung" im gesamten Nahen Osten. Das sollte uns nicht nur ermutigen – es sollte uns zum Gebet anspornen, dass Gott dieses Werk vollendet.
5. Warnung vor Sensationslust – aber nicht vor Wachsamkeit
Die Geschichte der Auslegung zeigt: Es gab immer wieder Fehlzuordnungen und vorschnelle Behauptungen. Das sollte uns zur Demut führen. Aber Demut ist nicht dasselbe wie Relativismus.
Wir müssen auf zwei Irrwege achten:
Der erste Irrweg ist Sensationslust. Er behauptet mit übertriebener Sicherheit, jede aktuelle Krise sei die unmittelbare Erfüllung einer bestimmten Prophetie. Er setzt Daten, erfindet Zeitlinien und schürt Panik.
Der zweite Irrweg ist prophetische Entleerung. Er ist so vorsichtig, dass am Ende fast nichts Konkretes mehr übrig bleibt. Prophetie wird zur bloßen Symbolsprache reduziert, und konkrete Nationen wie Persien werden zu „allgemeinen Metaphern" erklärt. Das wird dem Text nicht gerecht.
Beides ist ungesund. Jack Hibbs zeigt in einer Predigt die richtige Balance:
„Ich sage nicht: ‚So spricht der Herr.' Ich sage: Vielleicht hat Jack recht, vielleicht hat Jack unrecht."
Das ist eine gesunde Haltung. Wir dürfen Beobachtungen äußern. Wir dürfen Entwicklungen deuten. Wir dürfen Israel, Iran, Damaskus und Hesekiel 38 ernst nehmen. Aber wir tun es mit geöffneter Bibel und mit Demut – nicht mit Rechthaberei.
Viele Stimmen im Internet verbreiten Fehlinformationen, weil sie die Fakten, die Sprachen und den biblischen Kontext nicht kennen. Verantwortungsvolle Lehre lehrt das ganze Wort Gottes und lässt nichts weg, übertreibt aber auch nichts.
6. Sechs Leitlinien für den Umgang mit Endzeitfragen
Erstens: Halte an dem fest, was eindeutig ist. Jesus kommt wieder. Das ist keine Randnotiz, sondern unser seliges Hoffen (Titus 2,13).
Zweitens: Lies Prophetie schriftgemäß und heilsgeschichtlich. Israel bleibt Israel. Gottes Verheißungen bleiben Gottes Verheißungen. Die Gemeinde ersetzt Israel nicht. „Gottes Gaben und Berufung sind unwiderruflich" (Römer 11,29).
Drittens: Vermeide spekulative Datensetzung. Niemand kennt Tag und Stunde (Matthäus 24,36).
Viertens: Bleibe wachsam gegenüber den Zeichen der Zeit. Nicht jede Nachricht ist Prophetie. Aber die Weltentwicklung darf uns geistlich hellhörig machen. Christen sollten die „biblische Rechnung" – den prophetischen Kontext – in ihre Beurteilung der Weltlage mit einbeziehen.
Fünftens: Trenne zwischen Ungewissheit in Details und Gewissheit im Ganzen. Wir wissen nicht jeden einzelnen Schritt. Aber wir kennen die Richtung der Heilsgeschichte – und der Name dieser Richtung ist: Jesus Christus.
Sechstens: Lass Endzeitlehre zur Heiligung führen. Prophetie ist nicht für Nervenkitzel gegeben, sondern für Treue, Wachsamkeit und Hingabe. Die junge Generation braucht Prophetie, um Sinn und Zweck in einer chaotischen Welt zu finden.
Wenn wir dieese Generation retten wollen, müssen wir sie dazu bringen, sich auf biblische Prophetie zu konzentrieren.
7. Wie sollen Christen mit dem Iran-Konflikt umgehen?
1. Hör auf mit dem Doom-Scrolling
Viele Menschen schauen ständig nach unten – auf ihre Bildschirme, ihre Schlagzeilen, ihre Ängste. Jesus aber sagt: Schaut auf! (Lukas 21,28). Kolosser 3 ermutigt uns: „Trachtet nach dem, was droben ist." Das heißt nicht, die Augen vor der Realität zu verschließen. Aber dein erster Blick am Morgen sollte dem Wort Gottes gelten, nicht den Schlagzeilen.
2. Bete statt zu paniken
Keine Panik! – Bete
Bete für Israel (Psalm 122,6). Bete für die verfolgte Gemeinde im Iran. Bete für Verantwortliche in Politik und Militär. Bete für Frieden. Bete für Erweckung. Gebet ist die mächtigste Antwort auf geopolitische Krisen.
3. Kenne deine Bibel
Jack Hibbs formuliert es herausfordernd:
„Dies ist eine verrückte Zeit, Leute. Ihr solltet besser eure Bibel kennen. Ihr müsst euren Feind kennen, denn selbst wenn ihr denkt, dass er verrückt ist – er glaubt an das, was er tut, und das ist genug, um wachsam zu sein."
Je besser du die Schrift kennst, desto weniger wirst du von sensationshungrigen Stimmen hin und her geworfen. Die Bibel ist der beste Schutz gegen Angst und gegen Verführung.
4. Lebe nüchtern und heilig
Endzeitglaube soll uns nicht hysterisch machen, sondern treu. Wer an die baldige Wiederkunft Christi glaubt, wird nicht leichtsinnig leben. Römer 16,19 ermutigt: „Seid weise im Guten und unvermischt mit dem Bösen." In einer Zeit des geistlichen Kampfes fällt das gottgefällige Leben auf – als Licht in der Dunkelheit.
5. Verkündige das Evangelium
Die wichtigste Vorbereitung auf die Zukunft ist nicht ein perfekter prophetischer Fahrplan, sondern ein Leben in der Nachfolge Jesu und ein Mund, der von ihm spricht. Greg Laurie bringt es auf den Punkt:
„Ich glaube, dass diejenigen, die am meisten über das nächste Leben nachdenken, in diesem Leben das Meiste bewirken werden."
Die Beschäftigung mit der Ewigkeit soll uns nicht weltfremd machen – im Gegenteil: Sie soll uns motivieren, jetzt für Christus zu leben und das Evangelium mutig weiterzugeben.
8. Israels Rolle in Gottes Plan
Nicht alle Christen stimmen in diesem Punkt überein. Aber ich bin überzeugt: Die Bibel lehrt, dass Gottes Verheißungen an Israel nicht aufgehoben worden sind.
Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Seine Gaben und seine Berufung sind unwiderruflich." (Römer 11,29)
Ich sehe es so, dass Israel auch heute noch eine besondere Rolle im Heilsplan Gottes einnimmt. Dabei verweise ich auf die Landverheißung in 1. Mose 12 und 15, die ich als bleibende Zusage Gottes an sein Volk verstehe. Auch die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 werte ich in diesem Zusammenhang als ein modernes Wunder. Ebenso sehe ich im zunehmenden Antisemitismus ein weiteres Zeichen der Endzeit.
Die sogenannte Ersatztheologie lehne ich ab. Ich glaube nicht, dass die Gemeinde Israel in Gottes Plan ersetzt hat. Vielmehr bin ich überzeugt, dass Gott mit Israel weiterhin einen eigenen Weg geht und seine Verheißungen nicht aufgehoben sind.
Im Blick auf Hesekiel 36 verstehe ich es so, dass Gott Israel zunächst im Zustand des Unglaubens in das Land zurückführt. Die geistliche Erneuerung kommt nach dieser Sicht also nicht vor, sondern nach der Sammlung. Und im Zusammenhang mit den Ereignissen aus Hesekiel 38 sehe ich den Punkt, an dem Israel in besonderer Weise zum Glauben geführt wird.
Der moderne Staat Israel ist nicht mit jeder Regierungspolitik gleichzusetzen. Aber Israel als Volk und Land bleibt Teil von Gottes fortlaufendem Handeln in der Geschichte.
Die Gemeinde und Israel dürfen nicht vermischt werden. Gott hat mit beiden unterschiedliche heilsgeschichtliche Linien. Gerade deshalb erwarten bibeltreue Christen eine zukünftige Erfüllung zentraler Prophetien für Israel – einschließlich der Wiederherstellung, die Propheten wie Sacharja vorausgesehen haben:
„Jerusalem wird ein taumelnder Becher sein für alle Völker und ein Laststein für alle Nationen." (Sacharja 12,2–3)
9. Die Hoffnung der Gemeinde: Entrückung vor der Trübsal
Ich vertrete die Überzeugung, dass die Entrückung der Gemeinde vor der Trübsalszeit stattfindet.
Greg Laurie beschreibt sie als die „selige Hoffnung" (Titus 2,13), die Trost spenden soll:
„Die Entrückung könnte in zehn Jahren stattfinden. Sie könnte in zehn Minuten stattfinden. Sie könnte heute stattfinden."
Das bedeutet: Christus wird seine Gemeinde zu sich nehmen, bevor die Zeit der göttlichen Gerichte in vollem Maß über die Welt kommt. Diese Hoffnung ist keine Fluchtfantasie, sondern eine biblische Erwartung, die Trost schenkt. Paulus schreibt in 1. Thessalonicher 4,18: „Tröstet euch untereinander mit diesen Worten."
Christen wirken durch den Heiligen Geist als „zurückhaltende Kraft" gegen das Böse in dieser Welt. Wenn die Gemeinde entrückt wird, wird diese Zurückhaltung aufgehoben – und der Antichrist kann offenbart werden.
Das erklärt auch, warum Christen bei allen beunruhigenden Entwicklungen nicht verzweifeln müssen. Wir beobachten die Weltlage nicht als Menschen ohne Hoffnung. Wir erwarten nicht den Antichristen, sondern unseren Herrn.
Ja, die Lage kann sich weiter zuspitzen. Ja, Israel wird im Zentrum endzeitlicher Konflikte stehen. Ja, Iran und andere Nationen können dabei eine Rolle spielen. Aber die Gemeinde Jesu lebt nicht unter der Herrschaft der Angst, sondern in der Erwartung ihres Retters.
10. Die eigentliche Frage
Am Ende ist nicht die wichtigste Frage, ob wir jede geopolitische Bewegung exakt deuten können.
Die wichtigste Frage ist: Bist du bereit, dem Herrn zu begegnen?
Bist du in Christus? Lebst du in seiner Vergebung? Wartest du auf ihn? Kennst du die Hoffnung des Evangeliums?
Du entscheidest in diesem Leben, wo du die Ewigkeit verbringst!
Denn Prophetie ist nicht zuerst dazu da, unsere Neugier zu füttern. Sie soll uns zu Christus treiben, uns zur Wachsamkeit rufen und uns in Hoffnung festmachen.
Schluss: Schau nach oben!
Wenn du das nächste Mal Nachrichten über Iran, Israel oder den Nahen Osten liest und Angst in dir aufsteigt, dann erinnere dich an Jesu Worte:
„Wenn ihr aber seht, dass dies anfängt zu geschehen, dann blickt auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht." (Lukas 21,28)
Richte dich auf. Nicht weil die Lage harmlos wäre. Sondern weil dein Gott größer ist als jede Krise. Weil Jesus der Herr der Geschichte ist. Weil Gottes Verheißungen nicht wanken. Weil das letzte Kapitel bereits geschrieben ist – und es endet mit Sieg, Freude und der ewigen Gegenwart Gottes.
Die frühen Christen beteten: „Maranatha – Herr, komm!"Nicht als panischer Fluchtwunsch, sondern als hoffnungsvolle Erwartung.
Diese Haltung dürfen auch wir haben.
Und bis Jesus kommt? Da bleiben die Worte des Missionsbefehls in Kraft:
„Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker." (Matthäus 28,19)
Selbst im Iran geschieht genau das – unter Verfolgung, im Untergrund, aber mit einer Kraft, die kein Regime aufhalten kann.
Wenn Gott das im Iran tun kann, was kann er dann durch dich tun?
Hab keine Angst. Bete. Bleibe wachsam. Lebe heilig. Liebe Menschen. Und schau nach oben.
Bibelstellen zum nachlesen
Lukas 21,28 – „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter"
Römer 8,28 – „Denen, die Gott lieben, dienen alle Dinge zum Besten"
Johannes 14,29 – „Ich habe es euch gesagt, damit ihr glaubt"
1. Thessalonicher 4,16–18 – Die Entrückung: „Tröstet euch untereinander mit diesen Worten"
1. Thessalonicher 5,4–11 – „Ihr seid Kinder des Lichtes"
Römer 11,1.29 – „Hat Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne!"
Kolosser 3,1–2 – „Trachtet nach dem, was droben ist"
Psalm 122,6 – „Betet für den Frieden Jerusalems"
Titus 2,13 – „Die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit"
Offenbarung 22,12.20 – „Siehe, ich komme bald. Amen, komm, Herr Jesus!"


Lieber Jürgen, das ist ein sehr guter, bibelfundierter Bericht über unsere Zeit. Ermutigt und nimmt Angst. Ist zwar viel zu lesen, aber es kohnt sich. Vielen Dank. Liebe Grüße Anneliese.