Woher weiß ich, welche Entscheidung richtig ist?
Gefragt von Anonym·Beantwortet von Jürgen Justus
Hier sind die entscheidenden Wegweiser, um zu erkennen, welche Entscheidung richtig ist:
1. Die drei Ebenen des Willens Gottes unterscheiden
Um Klarheit zu finden, hilft es, den „Willen Gottes“ in drei Bereiche zu unterteilen:
- Der geoffenbarte Wille (Gebote): Das sind Dinge, die bereits in der Bibel stehen (z. B. Ehrlich sein, Nächstenliebe üben). Hier stellt sich die Frage nach „richtig oder falsch“ nicht – es ist bereits klar.
- Der souveräne Wille (Vorsehung): Das sind die Dinge, die Gott geschehen lässt, ohne dass wir sie beeinflussen können. Wir müssen sie annehmen.
- Der individuelle Wille (Weisheit): Das sind die persönlichen Lebensentscheidungen (Beruf, Partner, Wohnort), zu denen die Bibel keine direkten Paragraphen hat. Hier fordert Gott uns auf, Weisheit anzuwenden.
2. Die vier Säulen der Entscheidungsfindung
Wenn du vor einer Wahl stehst, prüfe sie durch diese vier Filter:
- Das Wort Gottes (Biblisches Fundament): Widerspricht meine Entscheidung klaren biblischen Werten? Eine Entscheidung, die Unfrieden stiftet, Unwahrheit erfordert oder den Nächsten schädigt, kann nie „richtig“ sein.
- Innere Überzeugung und Leidenschaft: Gott leitet uns oft durch die Wünsche, die er in unser Herz gelegt hat (Psalm 37,4). Frag dich: „Wo blühe ich auf? Wo kann ich am besten dienen?“ Dallas Willard betont, dass Gott möchte, dass wir zu reifen Personen werden, die selbstständig gute Entscheidungen treffen können.
- Weiser Rat (Gemeinschaft): Sprich mit Menschen, die geistlich reif sind und dich gut kennen. Die Bibel sagt: „Wo viele Ratgeber sind, da ist Rettung“ (Sprüche 11,14). Andere sehen oft blinde Flecken oder Motive, die wir selbst ignorieren.
- Äußere Umstände (Offene Türen): Manchmal versperrt Gott Wege durch äußere Fakten. Aber Vorsicht: Eine „offene Tür“ bedeutet nicht automatisch, dass es Gottes Wille ist (auch Jona fand ein Schiff, als er vor Gott floh). Umstände sind Hinweise, aber nicht das alleinige Kriterium.
3. Der Herzens-Check: Die Frage nach dem „Warum“
Timothy Keller weist darauf hin, dass wir oft das Richtige aus dem falschen Motiv tun wollen. Prüfe deine Motivation:
- Wähle ich aus Angst (z. B. Angst vor Ablehnung, Angst vor Armut)?
- Wähle ich aus Stolz (z. B. Geltungssucht, Macht)?
- Wähle ich aus Liebe (zu Gott und den Menschen)?
Eine Entscheidung, die aus Angst oder Stolz getroffen wird, fühlt sich innerlich oft „eng“ und schwer an, selbst wenn sie logisch erscheint.
4. Der Schiedsrichter des Friedens (Kolosser 3,15)
Die Bibel spricht davon, dass der Friede Christi der „Schiedsrichter“ in unseren Herzen sein soll.
- Innerer Friede: Das ist nicht die Abwesenheit von Aufregung, sondern eine tiefe, ruhige Gewissheit – auch inmitten von Sturm.
- Unfriede als Stoppsignal: Wenn du eine Entscheidung triffst und dich danach ständig rechtfertigen musst oder nachts nicht schlafen kannst, ist das oft ein Zeichen, noch einmal innezuhalten.
5. Das Vertrauen in Gottes Führung (Die Angst nehmen)
Ein wichtiger Punkt bei Charles Swindoll ist die Befreiung von der Entscheidungslähmung:
- Gott ist größer als deine Fehlentscheidung: Wenn du aufrichtig nach seinem Willen suchst, wird er dich korrigieren, wenn du falsch abbiegst.
- Entschiedenheit: Manchmal gibt es kein eindeutiges „Richtig“ oder „Falsch“, sondern zwei gute Möglichkeiten. Gott gibt uns die Freiheit, zu wählen. Triff eine Entscheidung und vertraue darauf, dass er mitgeht.
Praktischer Prozess für deine nächste Entscheidung:
- Gebet der Hingabe: Sag Gott: „Ich will das tun, was dir gefällt, egal was es ist.“ (Das bricht den eigenen Eigenwillen).
- Fakten sammeln: Nutze deinen Verstand. Schreib eine Pro- und Contra-Liste.
- Stille suchen: Hör auf das leise Reden Gottes in deinem Gewissen.
- Zeit lassen: Triff keine lebensverändernden Entscheidungen unter Zeitdruck oder in einer emotionalen Krise.
- Gehen: Wenn du nach bestem Wissen und Gewissen geprüft hast, geh den ersten Schritt. Gott leitet ein Schiff, das sich bewegt, leichter als eines, das vor Anker liegt.
Zusammenfassend: Eine richtige Entscheidung erkennt man an der Übereinstimmung von Gottes Wort, weisem Rat, innerem Frieden und der Bereitschaft, die Konsequenzen in Liebe zu tragen.