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Changed Lives|Pastor's Blog
Alle Fragen

Wird Jesus wiederkommen, solange ich noch lebe?

Gefragt von Anonym · Beantwortet von Jürgen Justus

Die Frage, ob Jesus während Deiner Lebenszeit wiederkommen wird, berührt einen zentralen Aspekt des christlichen Glaubens. Hier ist meine Antwort, die sowohl theologische Grundlagen als auch praktische Überlegungen einbezieht:

I. Die biblische Lehre über den Zeitpunkt der Wiederkunft

Die ausdrückliche Aussage Jesu

Die Bibel gibt uns eine klare und unmissverständliche Antwort bezüglich des genauen Zeitpunkts der Wiederkunft Christi:

"Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater." (Markus 13,32)

Howard Marshall erklärt: "Jesus selbst sprach deutlich von seiner Wiederkunft als Menschensohn... aber er sagte ganz klar, dass niemand das Datum seiner Wiederkunft berechnen kann, und dass nur der Vater weiß, wann es sein wird."

Jesus warnte auch davor, dass seine Wiederkunft plötzlich und unerwartet geschehen würde: "Der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht erwartet" (Matthäus 24,44). Diese Ungewissheit ist ein bewusstes Element der göttlichen Heilsplanung.

Die Fehlinterpretation von Zeitangaben

Wayne Grudem weist in seiner "Systematischen Theologie" darauf hin, dass es ein Missverständnis wäre zu denken, wir könnten zwar nicht den Tag oder die Stunde, aber vielleicht den Monat oder das Jahr wissen: "Es ist einfach eine Ausflucht vor der Kraft dieser Passagen zu sagen, dass wir den Tag oder die Stunde nicht wissen können, aber vielleicht den Monat oder das Jahr. Die Tatsache bleibt, dass Jesus zu einer 'Stunde kommt, die ihr nicht erwartet'."

II. Die apostolische Erwartung und das "Aufschieben" der Wiederkunft

Die Naherwartung der frühen Christen

Die ersten Christen, einschließlich der Apostel, lebten in der Erwartung, dass Jesus zu ihren Lebzeiten zurückkehren könnte. Diese Naherwartung war durchaus begründet, denn sie entsprach den Aussagen Jesu, dass er "bald" kommen würde.

Eckhard J. Schnabel schreibt dazu: "Die ersten Christen rechneten mit der Möglichkeit, dass die Wiederkunft Jesu zu ihren Lebzeiten eintreten könne. Sie haben diese Nähe aber nie zeitlich näher bestimmt oder zu berechnen versucht, wie nahe der Tag oder das Jahr der Wiederkunft Jesu sei, geschweige denn ein Datum genannt."

Die Verzögerung verstehen

Der biblische Ausdruck, dass der Herr "bald" oder "schnell" kommen wird (Offenbarung 22,7.12.20), bereitet manchen Christen Schwierigkeiten, da bereits 2000 Jahre vergangen sind. James Petigru Boyce gibt hierzu eine hilfreiche Erklärung: "Diese Ausdrücke, wenn sie sich, wie es offensichtlich ist, auf sein zweites Kommen beziehen, sollten nicht so verstanden werden, als ob sie das meinen, was Menschen eine frühe Ankunft nennen würden. Dies ist offensichtlich aus der Tatsache, dass dieses zweite Kommen über achtzehnhundert Jahre verzögert wurde."

Boyce verweist auf die entscheidende Erklärung des Apostels Petrus: "Vergesst nicht, Geliebte, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag" (2. Petrus 3,8).

III. Die richtige Haltung angesichts der ungewissen Wiederkunft

Wachsamkeit und Bereitschaft

Da wir den Zeitpunkt nicht kennen können, betont die Bibel wiederholt die Notwendigkeit, stets wachsam und bereit zu sein. Jesus lehrte uns, bereit zu sein, weil niemand außer Gott, dem Vater, den Tag oder die Stunde kennt, wann er zurückkehren wird (Matthäus 24,42). Während die meisten von uns lieber genau wissen würden, wann Jesus kommen wird, vertrauen wir darauf, dass Gott weiß, was am besten ist.

Die Spannung des "Schon jetzt - noch nicht"

Timothy Keller erklärt, dass Paulus die "Überlappung der Zeitalter" lehrte:

"Die Propheten des Alten Testaments predigten, dass der Messias die alte Ordnung – die Welt des 'schnellen Todes und der geringen Seligkeit' – beenden und dann das neue Zeitalter von Gottes Reich beginnen würde, in dem alle Dinge in Ordnung gebracht und Tod und Verfall verbannt sein würden. Als Jesus kam, verkündete er, dass er der Messias sei, aber zu jedermanns Überraschung bestieg er keinen Thron. Stattdessen ging er ans Kreuz."

Diese theologische Perspektive hilft uns zu verstehen, dass wir in einer Zwischenzeit leben – zwischen dem ersten Kommen Christi, bei dem das Reich Gottes bereits angebrochen ist, und seinem zweiten Kommen, bei dem es vollständig offenbart werden wird.

Das richtige Gleichgewicht finden

Jesus könnte nicht für weitere 1.000 Jahre zurückkommen. Oder vielleicht noch weitere 500 Jahre. Oder vielleicht nächste Woche. Oder morgen. Wir wissen es nicht. Uns wird gesagt, dass wir den Tag oder die Stunde nicht kennen. Aber wir sollen alles tun, was wir können, um das Geschäft unseres Königs zu betreiben, einschließlich der Verbreitung der Wahrheit von Gottes Wort und der Erlösungsbotschaft nach besten Kräften.

IV. Die Zeichen der Zeit und ihre Bedeutung

Die biblischen Zeichen der Endzeit

Die Bibel spricht von verschiedenen Zeichen, die dem zweiten Kommen Christi vorausgehen werden, wie beispielsweise:

  • "Das Evangelium muss zuerst allen Nationen verkündigt werden" (Markus 13,10)
  • Das Auftreten von falschen Propheten und falschen Messiassen (Matthäus 24,23-24)
  • Zunehmende Verfolgung der Gläubigen (Matthäus 24,9-10)

Diese Zeichen sind jedoch nicht als präziser Zeitplan zu verstehen, der uns erlauben würde, den Zeitpunkt der Wiederkunft zu berechnen.

Die richtige Interpretation der Zeichen

Wayne Grudem erklärt, dass diese Zeichen zwar auf die Nähe der Wiederkunft hinweisen können, aber niemals gegeben wurden, "um uns denken zu lassen, 'Jesus könnte nicht für ein paar Jahre kommen.' Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Jesus diese Zeichen gab, um Christen einen Grund zu geben, nicht für seine Rückkehr bereit zu sein oder sie zu ermutigen, nicht zu erwarten, dass er jederzeit kommen könnte!"

V. Eschatologische Modelle und ihre Implikationen

Verschiedene Perspektiven auf die Endzeit

In der christlichen Theologie gibt es verschiedene eschatologische Modelle (Prämillennialismus, Amillennialismus, Postmillennialismus), die unterschiedliche Sichtweisen auf die Art und den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi vertreten. Diese Modelle interpretieren die prophetischen Abschnitte der Bibel auf unterschiedliche Weise, sind sich aber einig, dass das genaue Datum unbekannt bleibt.

Die christliche Hoffnung jenseits von Zeitplänen

Unabhängig von den verschiedenen eschatologischen Positionen bleibt die christliche Hoffnung dieselbe: Jesus wird wiederkommen, um sein Reich in Vollendung aufzurichten. Diese Gewissheit ist wichtiger als das genaue Wann und Wie.

Donald G. Bloesch betont: "Die Botschaft, dass der abgelehnte und gekreuzigte Jesus lebt, kann gar nicht zurückgehalten werden. Sie muss weitererzählt werden. Wer könnte darüber schweigen?"

VI. Praktische Konsequenzen für unser Leben

Leben in der Erwartung

Da Jesus jederzeit wiederkommen könnte, sind wir aufgerufen, in ständiger Erwartung und Bereitschaft zu leben. Dies bedeutet ein Leben in Heiligung und im aktiven Dienst für Gott.

Rainer Harter schreibt: "Lassen Sie uns zu denen gehören, die in das Wichtigste investieren, das wir haben: in unsere Beziehung zu Gott."

Der Auftrag bleibt

Die lange Zeit seit dem ersten Kommen Jesu entbindet uns nicht von unserem Missionsauftrag. Im Gegenteil, sie gibt uns mehr Zeit, das Evangelium in alle Welt zu tragen:

Mike Bickle merkt an: "Bevor Jesus wiederkommt, wird die Kirche die größte Seelenernte der Geschichte erleben. Dieser Erfolg der Missionsbewegung und vieler Gemeindegründungsbewegungen wird durch die größte Gebetsbewegung unterstützt."

Fazit: In Vorbereitung und Hoffnung leben

Die biblische Antwort auf die Frage "Wird Jesus wiederkommen, solange ich noch lebe?" lautet: Es ist möglich, aber niemand kann es mit Sicherheit wissen. Diese beabsichtigte Ungewissheit sollte uns nicht beunruhigen, sondern vielmehr motivieren, jeden Tag so zu leben, als könnte Jesus heute wiederkommen.

Eckhard J. Schnabel fasst es treffend zusammen: "Christen im 21. Jahrhundert tun gut daran, wie die Apostel mit beidem zu rechnen: mit der Möglichkeit einer baldigen Wiederkunft Jesu und mit einer weiteren, vielleicht langen Verzögerung der Wiederkunft Jesu."

Die christliche Hoffnung besteht nicht darin, den genauen Zeitpunkt zu kennen, sondern in der Gewissheit, dass Jesus wiederkommen wird, und in der freudigen Erwartung dieses Ereignisses zu leben – unabhängig davon, ob es zu unseren Lebzeiten geschieht oder nicht. Das Gebet der frühen Christen bleibt unsere Bitte: "Maranatha – Komm, Herr Jesus!" (Offenbarung 22,20).