Wenn Gott Liebe ist - warum dann das Leid?
In den dunkelsten Momenten unseres Lebens, wenn Schmerz und Trauer unseren Alltag überschatten, stellen wir oft die Frage: Warum lässt Gott das Leid zu? Diese Frage hallt durch die Jahrhunderte, durch Katastrophen und persönliche Tragödien hindurch. Hier ist ein ermutigender Blick auf diese schwierige Frage.
Die Welt jenseits von Eden
Die Welt, wie wir sie heute erleben, ist nicht die Welt, die Gott ursprünglich erschaffen hat. In der Schöpfung sah Gott alles an und es war "sehr gut". Leid, Schmerz und Tod waren nicht Teil des göttlichen Plans. Durch die menschliche Entscheidung gegen Gottes Wege ist die Harmonie der Schöpfung zerbrochen.
Unser Leid ist oft nicht eine direkte Strafe Gottes, sondern die natürliche Konsequenz in einer gefallenen Welt, in der sowohl die Natur als auch menschliche Beziehungen nicht mehr in ihrem ursprünglichen, vollkommenen Zustand sind.
Vom "Warum" zum "Wozu"
Die Frage "Warum?" führt uns oft in eine Sackgasse der Verzweiflung. Eine heilsamere Frage könnte sein: "Wozu?". Wozu könnte Gott dieses Leid in meinem Leben zulassen?
Leid kann:
- uns zur Selbstreflexion bringen
- unser Herz empfindsamer für das Leid anderer machen
- uns in eine tiefere Beziehung mit Gott führen
- uns lehren, was wirklich wichtig ist
- in uns Charaktereigenschaften formen, die sonst nicht entstehen würden
Wie ein Diamant, der erst durch Druck und Schleifen seinen wahren Glanz entfaltet, können wir durch Leid zu dem Menschen werden, der wir sein sollen.
Der Gott, der mitgeht
Das Besondere am christlichen Glauben ist: Wir haben keinen distanzierten Gott, der unberührt bleibt von unserem Schmerz. In Jesus Christus ist Gott selbst Mensch geworden und hat Leid, Verlassenheit und Tod erfahren. Am Kreuz rief Jesus: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Er kennt das Gefühl der Gottverlassenheit aus eigener Erfahrung.
In unserem Leid sind wir nie allein. Gott ist bei uns, auch wenn wir ihn nicht spüren. Er hält uns, wenn wir nicht mehr stehen können. Er trägt uns, wenn wir nicht mehr gehen können.
Der Blickwechsel
Im Leid neigen wir dazu, uns auf uns selbst zu fokussieren. Ein heilsamer Schritt ist der Blickwechsel: Weg von uns selbst und hin zu Gott und zu anderen Menschen.
Wenn wir im Leid anderen helfen, finden wir oft selbst Heilung. Wenn wir im Leid Gott suchen, entdecken wir oft eine neue Tiefe in unserer Beziehung zu ihm.
Die Teppich-Perspektive
Unser Leben ist wie ein Teppich, von dem wir nur die Unterseite sehen - ein wirres Gewirr von Fäden ohne erkennbares Muster. Gott jedoch sieht die Oberseite - das vollständige, wunderschöne Bild, das Er webt.
Erst in der Ewigkeit werden wir das vollständige Bild sehen und verstehen, wie selbst die dunkelsten Fäden nötig waren, um das Gesamtkunstwerk zu vollenden.
Geborgen in Gottes Hand
Auch im tiefsten Leid sind wir nicht aus Gottes Hand gefallen. "Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen" (Jesaja 43,2).
Gott verspricht nicht ein Leben ohne Leid, aber er verspricht seine ständige Gegenwart im Leid. Er geht mit uns durch die tiefsten Täler und führt uns wieder ins Licht.
Der Trost, der aus dem Kreuz kommt
Das Kreuz Christi ist das ultimative Symbol dafür, dass Gott unser Leid ernst nimmt. Er ist nicht teilnahmslos geblieben, sondern hat in Jesus Christus das Leid der Welt auf sich genommen.
Das Kreuz zeigt uns: Selbst das schlimmste Leid kann Gott in etwas Gutes verwandeln. Was als scheinbare Niederlage begann, wurde zum größten Sieg der Geschichte.
Im Angesicht des Leids gibt es keine einfachen Antworten. Aber es gibt die Gewissheit, dass wir einen Gott haben, der mit uns leidet, der uns nicht allein lässt und der eines Tages alle Tränen abwischen wird. "Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein" (Offenbarung 21,4).
Bis dahin dürfen wir darauf vertrauen: Gott führt uns nicht immer am Leid vorbei, aber er führt uns hindurch – an seiner Hand, mit seiner Kraft, zu seinem Ziel.