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Changed Lives|Pastor's Blog
Alle Fragen

Was tun, wenn ein Freund in Sünde lebt?

Gefragt von Anonym·Beantwortet von Jürgen Justus

Wenn wir sehen, dass ein Mensch, der uns nahesteht, Entscheidungen trifft oder in Dingen lebt, die im deutlichen Widerspruch zu einem Leben mit Jesus stehen, bringt uns das in eine schwierige Situation.

Einerseits wollen wir nicht verurteilen, kontrollieren oder uns in Dinge einmischen, die uns nichts angehen. Andererseits kann echte Freundschaft auch nicht bedeuten, schweigend zuzusehen, wenn ein Mensch geistlich immer weiter von Jesus weggeht.

Gerade wenn uns das Seelenheil eines Menschen am Herzen liegt, braucht es beides:

Wahrheit und Liebe. Klarheit und Sanftmut. Mut und Demut.

Wichtige biblische Orientierung finden wir unter anderem in Matthäus 18,15–17, Galater 6,1, 1. Korinther 5 und 2. Thessalonicher 3,14–15.

Das Ziel ist dabei niemals, jemanden bloßzustellen oder zu bestrafen. Das Ziel ist Umkehr und Wiederherstellung.

1. Zuerst das eigene Herz und die Fakten prüfen

Bevor ihr handelt, stellt euch ehrlich zwei Fragen:

Wissen wir wirklich, was passiert?

Es macht einen großen Unterschied, ob ihr bestimmte Dinge selbst erlebt habt, die Person sie euch anvertraut hat oder ob ihr lediglich etwas von anderen gehört habt. Gerade bei schwerwiegenden moralischen Vorwürfen dürfen Gerüchte niemals zur Grundlage unseres Handelns werden.

Und:

Warum wollen wir handeln?

Geht es darum, dass wir enttäuscht oder wütend über das Verhalten sind? Oder geht es tatsächlich darum, dass wir diesen Menschen lieben und uns um seine Beziehung zu Jesus sorgen?

Galater 6,1 fordert dazu auf, einen gefallenen Menschen „im Geist der Sanftmut“ wieder zurechtzubringen.

Unser inneres Ziel sollte deshalb sein:

Ich möchte dich nicht überführen, damit ich recht habe. Ich möchte dich gewinnen.

2. Zuerst mit der Person sprechen – nicht über sie

Der erste Weg sollte normalerweise nicht zum Pastor führen.

Der erste Weg führt zur Person selbst.

Jesus beschreibt in Matthäus 18,15 das Prinzip, zunächst das persönliche Gespräch zu suchen.

Sucht deshalb einen ruhigen und geschützten Rahmen und sprecht ehrlich aus, was euch beschäftigt:

„Du bist uns wichtig. Gerade deshalb möchten wir etwas ansprechen, das uns große Sorgen macht. Wir erleben einen Widerspruch zwischen deinem Wunsch, mit Jesus zu leben, und einigen Dingen, die gerade in deinem Leben geschehen. Wir wollen dich nicht verurteilen. Aber wir möchten auch nicht so tun, als wäre alles in Ordnung.“

Dann hört zu.

Vielleicht steckt hinter dem Verhalten viel mehr, als ihr bisher wisst. Vielleicht kämpft die Person längst. Vielleicht gibt es Verletzungen, Abhängigkeiten oder innere Konflikte.

Ein solches Gespräch sollte deshalb nicht nur aus Konfrontation bestehen, sondern auch aus ehrlichen Fragen und echtem Zuhören.

3. Entscheidend ist nicht nur die Sünde, sondern der Umgang damit

Jeder Christ kann fallen.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht einfach:

„Hat dieser Mensch gesündigt?“

Eine mindestens genauso wichtige Frage lautet:

„Wie geht dieser Mensch mit seiner Sünde um?“

Ist da ein Kampf?
Ist da Trauer darüber?
Ist die Person ansprechbar?
Ist sie bereit, sich helfen zu lassen?
Oder wird das Verhalten bewusst gerechtfertigt und jede Korrektur zurückgewiesen?

Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem Menschen, der fällt und wieder aufstehen möchte, und einem Menschen, der bewusst einen Lebensstil verteidigt, von dem er weiß, dass er Jesus widerspricht.

Gerade wenn ihr eine starke Ambivalenz erlebt – auf der einen Seite Jesus, auf der anderen Seite ein „Es ist mir egal“ – braucht dieser Mensch Wahrheit und Beziehung.

4. Baut eine Brücke zum eigenen Pastor

Wenn die Person grundsätzlich offen ist, wäre der nächste gute Schritt nicht, selbst sofort zum Pastor zu gehen.

Ermutigt die Person vielmehr:

„Sprich selbst mit deinem Pastor oder einem geistlichen Leiter, dem du vertraust.“

Ihr könnt sogar anbieten:

„Wenn es dir schwerfällt, gehe ich mit dir.“

Das wäre ein sehr guter Weg.

Die Person übernimmt selbst Verantwortung, öffnet ihr Leben und bekommt gleichzeitig geistliche Begleitung.

5. Was ist, wenn die Person vollständig abblockt?

Wenn ihr bereits persönlich und liebevoll gesprochen habt und die Person trotzdem bewusst weitermacht, alles herunterspielt oder keinerlei Bereitschaft zur Veränderung zeigt, kann es angemessen sein, weitere geistlich verantwortliche Menschen einzubeziehen.

Wenn die Person verbindlich Teil einer Gemeinde ist, trägt deren Pastor beziehungsweise deren Leitung schließlich auch geistliche Verantwortung.

Trotzdem würde ich – soweit keine Schutzgründe dagegensprechen – nicht heimlich handeln.

Ihr könnt beispielsweise sagen:

„Du bist uns zu wichtig, als dass wir einfach schweigen könnten. Wir würden uns wünschen, dass du selbst mit deinem Pastor darüber sprichst. Wenn du dazu nicht bereit bist, müssen wir überlegen, ob wir ihn einbeziehen, weil wir uns ernsthaft Sorgen um dich machen.“

Damit geschieht nichts hinter dem Rücken der Person.

6. Wenn ihr mit dem Pastor sprecht

Solltet ihr nach diesen Schritten tatsächlich den Pastor kontaktieren, geht nicht mit der Haltung einer Anklage hinein.

Geht als Menschen, die seelsorgerlichen Rat suchen.

Nicht:

„Wir müssen Ihnen erzählen, was diese Person alles macht.“

Sondern:

„Wir sind mit dieser Person eng verbunden und machen uns ernsthafte Sorgen. Wir haben bereits persönlich mit ihr gesprochen, kommen aber nicht weiter. Da sie Teil Ihrer Gemeinde ist, möchten wir Sie um Rat bitten, wie wir damit umgehen und wie wir ihr helfen können.“

Das macht einen entscheidenden Unterschied.

Es geht nicht darum, jemanden zu melden. Es geht darum, jemanden zurückzugewinnen.

7. Was ist mit Tischgemeinschaft und Freundschaft?

An diesem Punkt kommt eine weitere schwierige Frage auf:

Kann ich weiterhin ganz normal Gemeinschaft mit jemandem haben, der sich Christ nennt, aber bewusst und ohne Umkehr in Sünde lebt?

Paulus schreibt in 1. Korinther 5,11 sehr deutlich, dass die Gemeinde mit jemandem, der sich „Bruder“ nennt und gleichzeitig beharrlich in schwerer Sünde lebt, nicht einfach normale Gemeinschaft pflegen soll. Er formuliert sogar:

„Mit einem solchen sollt ihr auch nicht essen.“

Gleichzeitig macht Paulus unmittelbar vorher eine wichtige Unterscheidung: Er spricht ausdrücklich nicht von Menschen, die Jesus nicht nachfolgen. Sonst, so Paulus, müssten Christen „die Welt verlassen“ (1. Korinther 5,9–10).

Jesus selbst suchte die Nähe zu Zöllnern und Sündern.

Das Problem ist also nicht:

„Ich habe Gemeinschaft mit einem sündigen Menschen.“

Sonst könnten wir mit niemandem Gemeinschaft haben.

Das Problem entsteht dort, wo jemand sich bewusst als Nachfolger Jesu versteht und gleichzeitig dauerhaft eine Lebensweise verteidigt, die Jesus widerspricht – und die christliche Gemeinschaft einfach so weitergeht, als wäre nichts geschehen.

Was bedeutet das heute?

  1. Korinther 5 ist zunächst ein Text über Gemeindezucht. Deshalb sollten wir daraus nicht vorschnell eine allgemeine Regel machen, nach der Christen private Freundschaften abbrechen müssen, sobald jemand in Sünde fällt.

Aber der Text stellt uns eine ernsthafte Frage:

Vermittelt unsere Gemeinschaft möglicherweise den Eindruck, dass eigentlich alles in Ordnung ist?

Wenn nach mehreren ehrlichen Gesprächen keinerlei Bereitschaft zur Umkehr vorhanden ist, kann deshalb auch in einer Freundschaft eine bewusste Veränderung der Beziehung notwendig werden.

Das bedeutet nicht:

„Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben.“

Es kann vielmehr bedeuten:

„Ich liebe dich weiterhin, aber ich kann nicht so tun, als wäre zwischen uns und geistlich alles beim Alten.“

8. Distanzierung ist nicht dasselbe wie Ablehnung

  1. Thessalonicher 3 hilft dabei, diese Spannung auszuhalten. Paulus spricht dort ebenfalls von Distanz und sagt gleichzeitig:

„Haltet ihn nicht für einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder.“

Das ist eine wichtige Balance.

Es kann also Situationen geben, in denen normale gesellige Gemeinschaft eingeschränkt wird. Vielleicht finden bestimmte Freizeitaktivitäten, gemeinsame Abende oder andere Formen enger Gemeinschaft zunächst nicht mehr in derselben Weise statt.

Aber daraus darf niemals Verachtung entstehen.

Die Botschaft sollte nicht lauten:

„Du bist für uns erledigt.“

Sondern:

„Du bist uns gerade deshalb nicht egal.“

Die Tür für ein Gespräch, Gebet, Seelsorge und Schritte zurück zu Jesus sollte weit offenbleiben.

Man könnte beispielsweise sagen:

„Unsere Freundschaft mit dir bedeutet uns viel. Gerade deshalb können wir nicht einfach so weitermachen, als wäre alles in Ordnung. Wir möchten dich nicht bestrafen oder aus unserem Leben verbannen. Aber wir wollen auch nicht durch unsere Normalität den Eindruck vermitteln, dass uns deine Entscheidungen gleichgültig sind. Wenn du reden möchtest, Hilfe suchst oder Schritte zurück zu Jesus gehen möchtest, sind wir da.“

9. Vorsicht vor einem vorschnellen Beziehungsabbruch

Hier ist allerdings große Weisheit notwendig.

Nicht jede Sünde verlangt nach Beziehungsdistanz.

Nicht jeder geistliche Kampf bedeutet Unbußfertigkeit.

Nicht jeder Zweifel bedeutet Abkehr von Jesus.

Und nicht jeder Mensch, der gerade falsche Entscheidungen trifft, braucht weniger Beziehung.

Manchmal braucht ein Mensch gerade mehr liebevolle Nähe, damit er überhaupt wieder den Mut findet, sich Jesus zuzuwenden.

Deshalb sollte die Frage niemals nur lauten:

„Dürfen wir noch mit dieser Person essen?“

Die bessere Frage lautet:

„Welche Form unserer Beziehung dient diesem Menschen jetzt am meisten auf seinem Weg zurück zu Jesus?“

Manchmal bedeutet Liebe Nähe.

Manchmal bedeutet Liebe Konfrontation.

Und manchmal bedeutet Liebe auch eine klar ausgesprochene Grenze.

10. So wenige Menschen wie möglich – so viele wie nötig

Ein wichtiges Prinzip sollte während des gesamten Prozesses gelten:

Der Kreis der Menschen, die davon wissen, bleibt so klein wie möglich.

Sünde eines anderen Menschen ist kein Gesprächsstoff.

Auch wenn etwas wahr ist, bedeutet das nicht automatisch, dass wir das Recht haben, es vielen Menschen zu erzählen.

Wenn weitere Personen einbezogen werden, dann nur solche, die tatsächlich Teil der Lösung sein können.

11. Es gibt Situationen, in denen sofort gehandelt werden muss

Die beschriebenen Schritte gelten nicht schematisch für jede Situation.

Wenn es um Missbrauch, Gewalt, Ausbeutung, Straftaten oder die Gefährdung anderer Menschen – insbesondere von Kindern und Schutzbefohlenen – geht, hat der Schutz Betroffener Vorrang.

Dann kann es notwendig sein, unmittelbar Verantwortliche einzubeziehen und gegebenenfalls auch staatliche Stellen zu informieren.

Auch wenn die betreffende Person selbst geistliche Verantwortung oder eine Leitungsposition trägt und durch ihr Verhalten andere Menschen gefährdet oder täuscht, muss möglicherweise schneller gehandelt werden.

12. Ihr seid Freunde – nicht der Heilige Geist

Bei aller Ernsthaftigkeit ist noch etwas wichtig:

Ihr könnt diesen Menschen lieben.
Ihr könnt Wahrheit aussprechen.
Ihr könnt konfrontieren.
Ihr könnt Grenzen setzen.
Ihr könnt begleiten.
Ihr könnt beten.
Ihr könnt Hilfe organisieren.

Aber ihr könnt keine Umkehr erzwingen.

Die Verantwortung für die Entscheidungen dieses Menschen bleibt letztlich bei ihm.

Deshalb dürft ihr die Situation ernst nehmen, ohne eine Verantwortung zu übernehmen, die euch nicht gehört.

Eure Aufgabe ist nicht, diesen Menschen zu retten.

Jesus rettet.

Eure Aufgabe ist es, ihm in Wahrheit und Liebe zu begegnen und dort Verantwortung zu übernehmen, wo Gott sie euch tatsächlich gegeben hat.

Ein Leitgedanke für euren Weg

Wenn ihr unsicher seid, haltet euch an diese Sätze:

So direkt wie möglich.
So liebevoll wie möglich.
So wenige Menschen wie möglich.
So viele Menschen wie nötig.

Und bei der Frage nach Nähe oder Distanz:

Nicht: Wie können wir diesen Menschen bestrafen?
Sondern: Welche Form unserer Beziehung hilft ihm jetzt am ehesten, wieder zu Jesus umzukehren?

Denn das Ziel biblischer Korrektur ist niemals Ausgrenzung um der Ausgrenzung willen.

Das Ziel ist Wiederherstellung.