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Changed Lives|Pastor's Blog
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Warum sagt Jesus, wir sollen unsere Familie ‚hassen‘?

Gefragt von Anonym · Beantwortet von Jürgen Justus

„Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.“ Lukas 14,26

Auf den ersten Blick wirkt es tatsächlich so, als ob Jesus hier etwas sagt, das seiner Botschaft der Liebe und dem Gebot, Vater und Mutter zu ehren, widerspricht.

Schauen wir genauer hin:

Es ist keine falsche Übersetzung, sondern eine andere Bedeutung. Das griechische Wort „missei“ bedeutet zwar wörtlich „hassen“. Doch im Sprachgebrauch der damaligen Zeit hatte es oft eine vergleichende Bedeutung: „weniger lieben“ oder „im Vergleich zu etwas anderem zurückstellen“.

Biblische Beispiele helfen uns, das zu verstehen:

  • Bei Jakob, Rahel und Lea wird gesagt, dass Lea „gehasst“ war. Gemeint ist, dass Jakob Rahel mehr liebte als Lea – nicht, dass er Lea verachtete.
  • Auch die Aussage „Ich habe Jakob geliebt, Esau aber gehasst“ meint eine Entscheidung, eine Bevorzugung, nicht emotionalen Hass.

Das Matthäusevangelium bringt es auf den Punkt: Dort sagt Jesus: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Hier wird deutlich: Das „hassen“ bei Lukas bedeutet „weniger lieben als Jesus“.

Warum verwendet Jesus so drastische Worte? Er greift zu einer bewussten Übertreibung, um klarzumachen, wie radikal die Nachfolge ist. Im damaligen Umfeld war die Bindung an die Familie die stärkste soziale Verpflichtung. Wer Jesus folgte, musste bereit sein, diese Bindung im Ernstfall zurückzustellen.

Was Jesus wirklich sagt: „Wenn du mir nachfolgen willst, muss deine Liebe zu mir so viel größer sein als alle anderen Bindungen, dass im Vergleich dazu jede andere Liebe fast wie Hass wirkt.“ Es geht also nicht um echten Hass, sondern um ungeteilte Hingabe. Wenn ein Konflikt entsteht – etwa wenn Familie die Nachfolge ablehnt –, muss die Entscheidung klar für Jesus ausfallen.

Das passt auch zu Jesu übriger Lehre: Er fordert uns auf, sogar unsere Feinde zu lieben, und er bekräftigt das Gebot, Vater und Mutter zu ehren. Es wäre widersprüchlich, wenn er an anderer Stelle buchstäblich Hass auf die Familie fordern würde.

Praktische Bedeutung für uns heute: Diese Worte stellen uns die Frage: Wer steht in meinem Leben wirklich an erster Stelle? Es geht nicht darum, Familie nicht zu lieben, sondern darum, dass Jesus unser unangefochtener Herr ist. Und das kann manchmal bedeuten, schwere Entscheidungen zu treffen.

Es ist also nachvollziehbar, wenn man auf den ersten Blick verwirrt ist. Doch Jesus ruft uns nicht zum Hass auf, sondern zu einer kompromisslosen Nachfolge.