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Changed Lives|Pastor's Blog
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Sind Islam und Christentum gleich?

Gefragt von Anonym · Beantwortet von Jürgen Justus

Manche Menschen behaupten, dass Islam und Christentum im Grunde dieselbe Religion seien. Diese Ansicht verdient eine sorgfältige Betrachtung, die sowohl Gemeinsamkeiten als auch wesentliche Unterschiede berücksichtigt.

Gemeinsame Wurzeln: Der Abraham-Faktor

Islam und Christentum teilen tatsächlich wichtige Ursprünge. Beide Religionen beziehen sich auf Abraham als zentrale Figur in ihrer Entstehungsgeschichte. Diese gemeinsame Verbindung ist wie ein Ausgangspunkt zweier Wege, die anfangs parallel verlaufen.

Die Geschichte von Abraham, seinem Umzug in ein neues Land und Gottes Versprechen, ihn zum Vater vieler Nationen zu machen, ist beiden Religionen heilig. Während das Christentum den Weg über Isaak (Sohn von Abraham und Sarah) verfolgt, setzt der Islam die Geschichte mit Ismael (Sohn von Abraham und Hagar) fort. In der Bibel endet die Geschichte von Hagar und Ismael relativ früh, während sie in den islamischen Schriften fortgeführt wird, wobei Ismael als Vater des islamischen Volkes gefeiert wird.

Mehr als nur Subjekt: Die Bedeutung des Prädikats

Wie der Theologe Timothy Tennett erklärt, ist es hilfreich, diese Beziehung in Form eines Satzes zu betrachten: Das Subjekt mag dasselbe sein – beide Religionen sprechen von dem Gott Abrahams – aber das Prädikat, also das, was über Gott ausgesagt wird, unterscheidet sich erheblich.

Es gibt zwar auch hier Überschneidungen. Sowohl das Christentum als auch der Islam betonen die Einheit Gottes. In Markus 12,29 zitiert Jesus aus dem 5. Buch Mose: "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr." Ähnlich heißt es im Koran: "Sprich: Er ist Allah, der Eine" (Sure 112:1).

Entscheidende Unterschiede

Trotz dieser Gemeinsamkeiten gibt es grundlegende Glaubensinhalte im Christentum, die der Islam ablehnt:

  1. Die Göttlichkeit Jesu: Das Christentum bekennt, dass Jesus Gott im Fleisch war. Der Islam lehnt dies ab.
  2. Der Kreuzestod: Christen glauben, dass Jesus am Kreuz für die Vergebung der Sünden gelitten hat und gestorben ist. Im Islam wird diese zentrale Lehre zurückgewiesen.
  3. Gottesbild: Es gibt Aspekte in der islamischen Vorstellung von Gott, die mit dem christlichen Gottesbild nicht vereinbar sind.

Diese Unterschiede sind nicht nebensächlich, sondern betreffen das Herz der jeweiligen Religion. Sie sind wie eine Weggabelung, an der sich die Pfade deutlich trennen und zu unterschiedlichen Zielen führen.

Die richtige Haltung: Respekt und Liebe

Diese theologischen Unterschiede bedeuten jedoch nicht, dass wir einander respektlos begegnen sollten. Gottes Liebe gilt allen Menschen – Christen, Muslimen und Atheisten gleichermaßen. Gott liebt uns, weil er uns geschaffen hat. Als Christen sind wir berufen, diese Liebe Gottes in der Welt sichtbar zu machen.

Schon in der Verheißung an Abraham (Genesis 12,3) zeigt sich Gottes Absicht, die ganze Welt zu segnen. Paulus verwendet in Römer 11,17-18 das Bild eines Zweiges, der in einen bestehenden Baum eingepfropft wird, um zu erklären, wie Gott seinen Segen auf Menschen ausweitet, die nicht dem jüdischen Volk angehören. Gottes grundlegende Haltung gegenüber allen Menschen ist – unabhängig davon, ob sie an Jesus glauben – eine Haltung der Offenheit und Liebe.

Fazit

Islam und Christentum sind nicht dieselbe Religion. Sie teilen zwar wichtige Wurzeln und einige Glaubensinhalte, doch in zentralen theologischen Fragen gehen sie deutlich auseinander. Diese Erkenntnis sollte uns jedoch nicht zu Respektlosigkeit oder Missachtung führen, sondern zu einer Haltung der Liebe und des Respekts, die Gottes eigener Haltung entspricht.

Anstatt uns in Auseinandersetzungen und Streitigkeiten zu verlieren, sollten wir anderen die Gnade Gottes anbieten, die Gott selbst bereits anbietet. So können wir in einer pluralistischen Welt authentisch unseren Glauben leben und gleichzeitig respektvoll mit Menschen anderer Glaubensrichtungen umgehen.