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Changed Lives|Pastor's Blog
Alle Fragen

Ist es falsch, in den Ruhestand zu gehen?

Gefragt von Anonym·Beantwortet von Jürgen Justus

Die kurze Antwort lautet: Nein, es ist nicht falsch, in den Ruhestand zu gehen.

Die Bibel verurteilt den Eintritt in die Rente nicht. Sie stellt aber eine andere Frage, die tiefer geht: Was mache ich mit der Zeit, den Kräften, den Erfahrungen und den Möglichkeiten, die Gott mir auch in dieser neuen Lebensphase anvertraut?

Der Ruhestand kann deshalb ein guter und gesunder Schritt sein. Er ist aber aus biblischer Sicht nicht unbedingt das Ende von Berufung und Verantwortung.

Die Bibel kennt einen Wechsel der Aufgaben

Ein interessanter Text findet sich in 4. Mose 8,24–26. Dort wird für die Leviten festgelegt, dass sie ab einem bestimmten Alter nicht mehr den schweren Dienst verrichten sollen. Sie werden jedoch nicht bedeutungslos. Sie helfen ihren Brüdern weiterhin und übernehmen andere Aufgaben.

Das zeigt ein hilfreiches Prinzip: Mit zunehmendem Alter darf sich die Form unseres Dienstes verändern.

Vielleicht kann ein Mensch nicht mehr dasselbe leisten wie mit 30 oder 40. Das muss er auch nicht. Aber weniger Kraft bedeutet nicht automatisch weniger Bedeutung.

Psalm 92 beschreibt Menschen, die selbst im Alter noch Frucht bringen. Vor Gott gibt es kein geistliches Rentenalter.

Das Problem ist nicht der Ruhestand, sondern die Haltung dahinter

Jesus erzählt in Lukas 12,16–21 von einem reichen Mann, dessen Felder außergewöhnlich viel Ertrag bringen. Er baut größere Scheunen und sagt schließlich zu sich selbst:

Du hast genug für viele Jahre. Ruhe dich aus, iss, trink und genieße dein Leben.

Genau an diesem Punkt greift Gott ein und nennt ihn einen Narren.

Dabei ist wichtig: Das Problem dieses Mannes war nicht, dass er genug besaß, um nicht mehr arbeiten zu müssen.

Sein Problem war, dass seine gesamte Zukunft nur noch um ihn selbst kreiste.

Er fragte nicht:

Warum hat Gott mir so viel anvertraut?

Wem könnte ich damit helfen?

Was könnte ich mit meinem Überfluss bewirken?

Wie könnte ich damit Gott dienen?

Seine Lebensvision bestand nur noch aus Komfort, Konsum und Genuss.

Jesus fasst das Problem so zusammen: Der Mann sammelte Schätze für sich selbst, war aber nicht „reich bei Gott“.

Darum ist die entscheidende Frage nicht:

„Darf ein Christ in Rente gehen?“

Sondern:

„Wofür möchte ich die Freiheit nutzen, die mir der Ruhestand schenkt?“

Ruhestand ist auch eine Frage der Haushalterschaft

Unsere Arbeitskraft, Begabungen, Lebenserfahrung, Zeit und auch unser Vermögen sind Gaben, die uns anvertraut wurden.

Darum kann es durchaus sinnvoll sein, vor einer sehr frühen Pensionierung zu fragen:

Warum möchte ich eigentlich aufhören?

Wenn jemand noch gesund und leistungsfähig ist, kann es beispielsweise eine gute Entscheidung sein, noch einige Jahre weiterzuarbeiten, vielleicht mit weniger Stunden. Nicht weil Arbeit an sich heiliger wäre als Freizeit, sondern weil Arbeit weiterhin Möglichkeiten schaffen kann:

Man begegnet Menschen, kann am Arbeitsplatz ein Licht sein, trägt etwas zur Gesellschaft bei und verfügt eventuell über Einkommen, mit dem man andere unterstützen kann.

Aber genauso kann es richtig sein, die Erwerbsarbeit bewusst zu beenden.

Der eine nutzt die neue Freiheit für seine Familie. Ein anderer beginnt ehrenamtlich zu arbeiten. Jemand begleitet jüngere Menschen. Ein anderer kümmert sich um seinen erkrankten Ehepartner. Wieder jemand investiert mehr Zeit in Gebet, Gemeinde oder Mission.

Es gibt hier keine Schablone.

Die Berufung verändert sich

Gerade darin kann der Ruhestand eine außergewöhnlich wertvolle Lebensphase werden.

Viele Menschen haben während ihres Berufslebens etwas gesammelt, das man nicht kaufen kann: Erfahrung, Weisheit, Beziehungen, berufliches Wissen, geistliche Reife und die Fähigkeit, Dinge gelassener einzuordnen.

Diese Dinge können jetzt anderen zugutekommen.

Titus 2 beschreibt beispielsweise, wie ältere Männer und Frauen für die jüngere Generation zu Vorbildern und Begleitern werden können.

Vielleicht besteht die Berufung im Ruhestand deshalb nicht darin, noch mehr zu leisten, sondern darin, mehr weiterzugeben.

Aus einem Leiter kann ein Mentor werden.

Aus einem Hauptverantwortlichen ein Unterstützer.

Aus jemandem, der selbst aufgebaut hat, jemand, der nun anderen hilft aufzubauen.

Das kann eine der wertvollsten Aufgaben im Alter sein.

Auch ein kleiner Dienst kann sehr bedeutend sein

Man sollte dabei nicht denken, man müsse im Ruhestand plötzlich jeden Tag in der Gemeinde verbringen.

Dienst an Gott geschieht nicht nur auf einer Bühne.

Vielleicht besteht deine wichtigste Aufgabe darin, deinen Ehepartner zu pflegen.

Vielleicht kümmerst du dich um Enkelkinder.

Vielleicht begleitest du zwei jüngere Menschen und betest regelmäßig für sie.

Vielleicht hilfst du einem Nachbarn.

Vielleicht hast du endlich Zeit, jemandem zuzuhören, der sonst niemanden hat.

Ein Leben voller Liebe und guter Werke muss nicht spektakulär sein.

Auch Geld bleibt anvertraut

Zur christlichen Haushalterschaft gehört außerdem die Frage, wie wir mit unserem Vermögen umgehen.

Ruhestand bedeutet nicht:

„Jetzt gehört alles endgültig nur noch mir.“

Natürlich darf man genießen, reisen, sich etwas gönnen und die Früchte jahrzehntelanger Arbeit dankbar annehmen.

Aber Christen können gleichzeitig fragen:

Wo kann ich großzügig sein?

Welche Menschen brauchen Unterstützung?

Welche missionarische oder soziale Arbeit möchte ich fördern?

Was soll einmal mit meinem Vermögen geschehen?

Auch ein Testament kann Ausdruck davon sein, dass jemand nicht nur fragt, was er besitzt, sondern was sein Besitz noch Gutes bewirken kann.

Ruhen ist keine Sünde

Bei all dem darf man allerdings nicht in das andere Extrem geraten.

Gott fordert keinen Menschen dazu auf, bis zur völligen Erschöpfung produktiv zu bleiben.

Der Körper verändert sich. Kräfte lassen nach. Manche Menschen haben jahrzehntelang schwere Arbeit geleistet. Andere kämpfen mit gesundheitlichen Einschränkungen.

Ruhe ist kein geistliches Versagen.

Auch Jesus zog sich zurück. Der Sabbat zeigt, dass Ruhe zu Gottes guter Ordnung gehört.

Der christliche Ruhestand muss deshalb nicht aus dauernder Aktivität bestehen.

Es geht um einen gesunden Rhythmus aus Ruhe, Beziehungen, Genuss, Gebet, Verantwortung und sinnvoller Aufgabe.

Vier Fragen vor dem Ruhestand

Wer über den Ruhestand nachdenkt, kann sich deshalb fragen:

  • Woraus beziehe ich meinen Wert – aus meiner beruflichen Position oder daraus, dass ich zu Gott gehöre?
  • Warum möchte ich in den Ruhestand gehen?
  • Was möchte ich mit der neu gewonnenen Zeit tun?
  • Wem könnte meine Erfahrung, meine Zeit oder meine finanzielle Freiheit zum Segen werden?

Fazit

Es ist nicht falsch, in den Ruhestand zu gehen.

Es kann sogar sehr weise sein, eine berufliche Lebensphase bewusst abzuschließen.

Aber aus biblischer Sicht endet mit dem Beruf nicht automatisch die Berufung.

Der Ruhestand ist deshalb nicht einfach die Lebensphase, in der man endlich keinerlei Verantwortung mehr hat. Er kann vielmehr eine neue Freiheit eröffnen:

mehr Zeit für Menschen, mehr Raum für Familie, mehr Gebet, mehr Großzügigkeit, mehr Mentoring, mehr Ruhe und vielleicht sogar ganz neue Formen des Dienstes.

Das Problem des reichen Kornbauern in Lukas 12 war nicht, dass er aufhören wollte zu arbeiten. Sein Problem war, dass er seine Zukunft nur noch um sich selbst plante.

Darum könnte man es so zusammenfassen:

Ein Christ darf sich von seinem Beruf pensionieren lassen – aber nicht von Liebe, Verantwortung und Berufung.