Ich habe einen esoterisch, okkulten Hintergrund. Wie kann ich frei werden?
Zuerst: ehrlich hinschauen, ohne in Angst zu geraten
Freiheit beginnt damit, genau zu benennen, was war. Welche Praktiken gehörten dazu, etwa Horoskope, Tarot, Pendel, Séancen, Channeling, Energiearbeit oder Magie? Welche Bindungen bestanden, an Gruppen, Menschen, Schriften, Gegenstände, Rituale oder Versprechen?
Die Bibel nimmt das ernst. Wahrsagerei, Totenbeschwörung und Magie werden im Alten Testament ausdrücklich verboten (5. Mose 18,9–12). In der Apostelgeschichte bringen Menschen in Ephesus ihre magischen Bücher und verbrennen sie öffentlich (Apg 19,18–19). Das ist ein Vorbild für den ehrlichen Bruch mit der Vergangenheit.
Gleichzeitig ist Angst ein schlechter Ratgeber. Nicht jede Unruhe, jede Albtraumnacht oder jedes Gefühl der Bedrohung bedeutet, dass ein Dämon am Werk ist. Wir dürfen mit dem Okkulten nicht spielen. Gleichzeitig sollte nicht jedes Symptom geistlich gedeutet werden. Der Gerasener aus Markus 5 war vielleicht zugleich psychisch krank. Körper, Seele und Geist gehören zusammen. Panikattacken, Dissoziation, Stimmen oder Suizidgedanken brauchen medizinische und therapeutische Abklärung, und sie können zugleich Teil eines geistlichen Ringens sein. Beides schließt sich nicht aus.
Der entscheidende Schritt: Umkehr und Abkehr
Befreiung geschieht nicht durch bestimmte Techniken oder Rituale, sondern durch Umkehr. Du wendest dich von allem ab, was Gott verboten hat, und dir Jesus Christus zu. Wir können uns durch Willensanstrengung nicht selbst befreien, sondern nur durch die Gnade Jesu Christi, der stärker ist als Sünde und Teufel. Es geht also nicht darum, die perfekten Worte zu finden, sondern darum, dem Herrn das eigene Herz zu öffnen.
Praktisch bedeutet das drei Dinge.
Erstens: Nenne vor Gott konkret, was war. Sprich aus, dass du dich von diesen Praktiken, Bindungen und Mächten lossagst und dich Christus unterstellst. Dafür braucht es keine Zauberformel. Entscheidend sind Aufrichtigkeit und Vollständigkeit.
Zweitens: Räume auf, was noch Verbindung hält. Bücher, Karten, Amulette, Schriften, Abos oder Apps, die dich an den früheren Zusammenhang binden, sollten entfernt oder vernichtet werden. Das ist kein Aberglaube, sondern ein klares Zeichen der Abkehr, ganz so wie in Ephesus.
Drittens: Widerrufe Festlegungen. Schwüre, Versprechen oder Gelübde, die du unter diesem Einfluss abgelegt hast, kannst du vor Gott bereuen und ausdrücklich zurückgeben. Gerade dort, wo du dich noch gebunden fühlst, hilft es, solche Bindungen beim Namen zu nennen und Gott zu übergeben.
Schuld bekennen und vergeben
Der Weg aus der Heimlichkeit führt über das Bekenntnis: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt" (1. Joh 1,9). Fulbert Steffensky hat sinngemäß formuliert, wer Schuld nicht benennen könne, verspiele das Recht, ein anderer zu werden. Das gilt auch hier.
Dazu gehört Vergebung, zunächst gegenüber denen, die dich in diese Welt hineingezogen oder darin festgehalten haben: Eltern, Freunde, Lehrer, Gruppenleiter. Vergebung durchtrennt geistliche Bindungen. Die Verantwortung des anderen vor Gott bleibt dabei bestehen. Vergebung befreit dich, sie nimmt dem anderen nicht seine Schuld ab.
Und vergib dir selbst. Viele leiden unter Scham darüber, was sie getan, geglaubt oder mitgemacht haben. Römer 8,1 gilt auch dir: „So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind." Scham treibt ins Verstecken, die Wahrheit führt ins Licht.
Nicht nur leer räumen, sondern neu füllen
Jesus erzählt von einem unreinen Geist, der aus einem Menschen ausfährt, dann aber zurückkehrt, das Haus leer und gefegt findet und mit sieben weiteren Geistern zurückkehrt (Matthäus 12,43–45). Das Bild ist ernst: Auskehren allein genügt nicht. Das Leben muss von Christus her neu gefüllt werden.
Dazu gehören Gottes Wort, das Schwert des Geistes (Eph 6,17), Gebet, Gemeinschaft mit Christen, die dich ehrlich begleiten, und die Erinnerung an deine Taufe, wenn du getauft bist. Dort hat Gott dir zugesagt, dass du mit Christus gestorben und zu neuem Leben auferweckt bist (Röm 6,3–4). Auf diese Zusage darfst du dich stellen. „Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch" (Jak 4,7).
Der Kampf ist real, aber er wird aus dem Sieg heraus geführt
Christen müssen die geistliche Dimension nicht leugnen, sollten sie aber auch nicht zum Zentrum machen. Duffield und Van Cleave warnen in ihrer Pfingstlichen Theologie davor, dass ein Dienst, der sich ausschließlich mit Dämonen beschäftigt, die Aufmerksamkeit von Christus wegzieht. Dirk und Christa Lüling weisen außerdem darauf hin, dass alte Schutzmuster wie ein hartes Herz oder bittere Entscheidungen nicht automatisch verschwinden, nur weil man vergeben hat. Sie brauchen einen Prozess, in dem die alte Haltung bewusst abgelegt und ein neues Verhalten eingeübt wird. Freiheit ist also Weg und Entscheidung zugleich.
Wer Rückfälle erlebt, also Gedanken, Träume oder alte Anziehung spürt, sollte nicht verzweifeln. Er kehrt sofort zu Christus zurück und sucht Menschen auf, denen er vertraut. Ein Notfallplan kann dabei sehr hilfreich sein.
Wie Freisetzung in der Seelsorge aussehen kann
Manfred Engeli beschreibt in seiner „finalen Seelsorge" einen Weg, den ich hier sinngemäß aufgreife:
- Die Bindung und ihre Wurzeln erkennen und das damalige Erleben benennen.
- Eigene Schuld bekennen und Vergebung empfangen.
- Die Bindung klar lösen, Anklagen gegen andere loslassen und ihnen vergeben.
- Um Reinigung und die Wiederherstellung der eigenen Integrität beten.
- Alte Haltungen und Muster ablegen und Neues anziehen.
- Aus der Opferrolle aussteigen und gesunde Grenzen aufbauen.
- Einen Notfallplan gegen Rückfälle entwickeln und nach einiger Zeit Standortbestimmungen vornehmen.
Diesen Weg geht man kaum allein. Du brauchst mindestens einen reifen Christen oder einen Seelsorger, der dich begleitet, und idealerweise eine Gemeinschaft, die dich trägt.
Für Seelsorger: worauf es ankommt
Wenn du als Pastor andere begleitest, achte besonders auf diese Punkte.
Bleib nüchtern und ruhig. Angst und Dramatisierung helfen dem Betroffenen nicht. Vermeide Schuldzuweisungen wie „Du hast dem Teufel die Tür geöffnet". Sie verstärken Scham und Angst.
Stelle Christus in die Mitte, nicht den Dämon. Das Ziel ist ein Mensch, der in Christus frei lebt, nicht einer, der ständig auf den Feind starrt.
Nimm psychische Erkrankungen und Traumafolgen ernst und arbeite mit Ärzten und Therapeuten zusammen. Bei Psychose, akuter Suizidalität oder schweren Traumata hat fachliche Hilfe Vorrang.
Gib Verantwortung zurück. Das Ziel ist keine dauerhafte Abhängigkeit vom Seelsorger, sondern ein mündiger Christ, der im Wort und in der Gemeinschaft lebt. Arbeite nach Möglichkeit im Team und mit der Gemeindeleitung.
Wenn in der früheren Gruppe oder Beziehung Macht missbraucht oder Gewalt ausgeübt wurde, hat der Schutz der Person Vorrang. Fachstellen für Weltanschauungsfragen, etwa die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), können helfen, Gruppe und Mechanismen einzuordnen.
Bei akuter Gefahr gilt: Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar.
Schlussgedanke
Freiheit ist kein Zustand, den du dir durch Perfektion erarbeitest, sondern eine Wirklichkeit, in die du hineinwächst. Du musst nicht fehlerfrei sein, um frei zu werden. Du darfst jeden Tag neu zu Christus kommen, mit dem, was war, und mit dem, was noch hochkommt.
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter das knechtische Joch fangen."(Galater 5,1)