Ab welchem Alter kann/darf man Abendmahl einnehmen? Was passiert wenn ein ungläubiger das Abendmahl einnimmt, wird er dafür bestraft?
Beim Abendmahl entstehen in Gemeinden immer wieder ganz praktische Fragen: Ab welchem Alter dürfen Kinder teilnehmen? Und: Was geschieht, wenn jemand am Abendmahl teilnimmt, der gar nicht an Jesus glaubt?
Manchmal werden darauf sehr schnelle Antworten gegeben: „Ab 12“, „erst nach der Taufe“, „nach der Konfirmation“ oder sogar: „Ein Ungläubiger bringt sich durch die Teilnahme unter Gottes Gericht.“
Doch wenn wir genauer in die Bibel schauen, stellen wir fest: Ganz so einfach ist es nicht. Die Schrift nennt keine feste Altersgrenze. Und auch die Warnungen aus 1. Korinther 11 müssen in ihrem Zusammenhang verstanden werden.
1. Ab welchem Alter darf man am Abendmahl teilnehmen?
Die Bibel nennt kein Mindestalter
Zunächst ist wichtig festzuhalten: Die Bibel nennt an keiner Stelle ein bestimmtes Alter für die Teilnahme am Abendmahl.
Es gibt kein Gebot „ab zwölf“, „ab vierzehn“ oder „erst nach der Konfirmation“. Solche Altersgrenzen können sinnvolle kirchliche Regelungen sein, aber sie dürfen nicht mit einem ausdrücklichen biblischen Gebot verwechselt werden.
Die Bibel beantwortet die Frage weniger mit einem Alter als vielmehr mit der Frage nach Glaube und geistlicher Reife.
Drei Voraussetzungen lassen sich erkennen
1. Persönlicher Glaube an Jesus Christus
Das Abendmahl ist keine allgemeine religiöse Mahlzeit. Es ist das Mahl derer, die zu Jesus Christus gehören.
Jesus sagt beim letzten Abendmahl:
„Das tut zu meinem Gedächtnis.“
Paulus greift dies auf:
„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“
— 1. Korinther 11,26
Wer am Abendmahl teilnimmt, bringt damit etwas zum Ausdruck: Jesus ist für mich gestorben. Ich gehöre zu ihm. Ich lebe aus seinem Tod und seiner Auferstehung.
Deshalb setzt die Teilnahme grundsätzlich persönlichen Glauben voraus.
Wayne Grudem weist zu Recht darauf hin, dass das Abendmahl ein Zeichen des christlichen Lebens und des fortdauernden Vertrauens auf Christus ist. Es richtet sich deshalb an Menschen, die tatsächlich an Christus glauben.
2. Ein grundlegendes Verständnis des Abendmahls
Paulus warnt davor, zu essen und zu trinken, ohne den Leib zu „unterscheiden“:
„Denn wer isst und trinkt und nicht den Leib des Herrn unterscheidet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.“
— 1. Korinther 11,29
Unabhängig davon, wie man das „Unterscheiden des Leibes“ im Einzelnen auslegt, wird deutlich: Abendmahl ist bewusste Teilnahme.
Ein Kind muss keine ausgearbeitete Abendmahlstheologie erklären können. Das können viele Erwachsene ebenfalls nicht. Aber es sollte verstehen, dass Brot und Kelch nicht einfach ein kleiner Snack während des Gottesdienstes sind.
Es sollte in einfachen Worten verstehen können:
Jesus ist für mich gestorben. Das Brot und der Kelch erinnern mich an ihn und an das, was er für mich getan hat.
3. Die Fähigkeit zur Selbstprüfung
Paulus schreibt:
„Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch.“
— 1. Korinther 11,28
Auch das setzt eine gewisse geistige und geistliche Reife voraus.
Selbstprüfung bedeutet nicht, dass jemand vor dem Abendmahl feststellen muss, ob er „gut genug“ ist. Dann dürfte niemand teilnehmen.
Es bedeutet vielmehr, sich bewusst vor Gott zu stellen: Vertraue ich Christus? Gibt es Sünde, die ich Gott bekennen muss? Lebe ich bewusst in Unversöhnlichkeit? Nehme ich ernst, was Christus für mich getan hat?
Ein Säugling kann das nicht. Ein kleines Kind möglicherweise ebenfalls noch nicht. Ein älteres Kind kann dazu durchaus in der Lage sein.
Das Abendmahl braucht aktive Teilnehmer
Kevin DeYoung macht in diesem Zusammenhang eine hilfreiche Beobachtung. In 1. Korinther 11 begegnen mehrere aktive Handlungen: erinnern, verkündigen, prüfen, unterscheiden, essen und trinken.
Daraus folgert er:
„1. Korinther 11 setzt ein bestimmtes Maß an Reife bei denen voraus, die zum Tisch kommen.“
Und er beschreibt einen wichtigen Unterschied zwischen Taufe und Abendmahl:
„Als Sakrament der Benennung und Zugehörigkeit erlaubt die Taufe passive Empfänger. Als Sakrament des Erinnerns und der Erneuerung erfordert das Abendmahl aktive Teilnehmer.“
Auch wenn Christen hinsichtlich der Säuglingstaufe zu unterschiedlichen Überzeugungen kommen, ist der Grundgedanke hilfreich: Das Abendmahl verlangt eine bewusste persönliche Beteiligung.
Warum Christen deshalb zu unterschiedlichen Altersgrenzen kommen
Die verschiedenen christlichen Traditionen beantworten die praktische Frage sehr unterschiedlich.
In orthodoxen Kirchen empfangen bereits kleine Kinder nach ihrer Taufe die Eucharistie. In der römisch-katholischen Kirche liegt die Erstkommunion gewöhnlich im Grundschulalter. In lutherischen und reformierten Traditionen war die Teilnahme lange eng mit der Konfirmation verbunden. Viele evangelische Gemeinden haben inzwischen Formen des Kinderabendmahls eingeführt.
In baptistischen und vielen freikirchlichen Gemeinden wird die Teilnahme dagegen häufig mit einer persönlichen Glaubensentscheidung verbunden, teilweise zusätzlich mit der Glaubenstaufe.
Diese Unterschiede zeigen etwas Wichtiges: Eine konkrete Alterszahl lässt sich nicht unmittelbar aus der Bibel ableiten.
Besser als eine Altersgrenze: Fragen stellen
Statt nur zu fragen: „Wie alt ist das Kind?“, sollten Eltern und Gemeindeleiter vielmehr fragen:
- Hat das Kind einen eigenen Glauben an Jesus?
- Kann es in eigenen Worten erklären, was Jesus am Kreuz getan hat?
- Versteht es grundsätzlich, wofür Brot und Kelch stehen?
- Kann es Schuld erkennen, benennen und Jesus um Vergebung bitten?
- Versteht es, dass das Abendmahl etwas anderes ist als gewöhnliches Essen?
- Möchte es selbst teilnehmen – oder lediglich deshalb, weil alle anderen es tun?
Viele Kinder werden diese Reife irgendwann im Grundschulalter oder in den folgenden Jahren entwickeln. Bei manchen geschieht das früher, bei anderen später.
Deshalb halte ich eine individuelle Beurteilung für biblischer als eine starre Altersgrenze.
Ein Neunjähriger kann einen erstaunlich klaren und persönlichen Glauben besitzen, während ein Vierzehnjähriger vielleicht lediglich teilnimmt, weil es von ihm erwartet wird.
Kinder sollten dabei nicht unnötig ferngehalten werden
Auf der anderen Seite sollten wir aus der Ernsthaftigkeit des Abendmahls keine unnötige Hürde machen.
Jesus begegnet Kindern mit großer Wertschätzung:
„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“
— Markus 10,14
Wayne Grudem warnt deshalb vor einer übermäßig restriktiven Abendmahlspraxis, durch die echte Gläubige vom Tisch des Herrn ferngehalten werden.
Das Ziel sollte also weder Leichtfertigkeit noch Übervorsicht sein.
Wo echter Glaube, ein grundlegendes Verständnis und die Fähigkeit zur bewussten Teilnahme vorhanden sind, sollte ein Kind nicht allein aufgrund seines Alters ausgeschlossen werden.
2. Was passiert, wenn ein Ungläubiger das Abendmahl nimmt?
An dieser Stelle sorgt besonders 1. Korinther 11 für Unsicherheit.
Paulus schreibt:
„Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn.“
Und:
„Wer isst und trinkt und nicht den Leib des Herrn unterscheidet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.“
— 1. Korinther 11,27.29
Dann folgt sogar:
„Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch, und nicht wenige sind entschlafen.“
— 1. Korinther 11,30
Das klingt zunächst erschreckend.
Doch der Zusammenhang ist entscheidend.
Paulus spricht zunächst zu Christen
Das Problem in Korinth bestand nicht darin, dass versehentlich einige Nichtchristen am Abendmahl teilgenommen hatten.
Das Problem bestand darin, wie Christen miteinander umgingen.
Paulus beschreibt die Situation:
„Denn wenn ihr zusammenkommt, so nimmt jeder beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.“
— 1. Korinther 11,20–21
Offenbar spiegelten sich soziale Unterschiede innerhalb der Gemeinde sogar beim Mahl wider. Wohlhabendere Christen konnten reichlich essen, während andere zu kurz kamen.
Das war das Gegenteil dessen, was das Abendmahl ausdrückt.
Am Tisch Jesu feiern wir schließlich, dass wir alle von derselben Gnade leben. Niemand kommt aufgrund seines gesellschaftlichen Status, seines Vermögens oder seiner geistlichen Leistung.
Deshalb verbindet Paulus das Abendmahl unmittelbar mit der Einheit der Gemeinde.
Bereits in 1. Korinther 10 schreibt er:
„Denn ein Brot ist's. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“
— 1. Korinther 10,17
Wer beim Abendmahl seinen Bruder oder seine Schwester verachtet, widerspricht mit seinem Verhalten genau dem, was er mit Brot und Kelch verkündigt.
„Unwürdig“ bedeutet nicht: „Du bist nicht würdig genug“
Das ist besonders wichtig.
Viele Christen lesen 1. Korinther 11 und denken:
Bin ich überhaupt würdig genug, am Abendmahl teilzunehmen?
Die Antwort lautet: Nein.
Aber genau deshalb brauchen wir Jesus.
Kein Mensch ist aus eigener moralischer oder geistlicher Leistung würdig, an den Tisch Jesu zu kommen. Wir kommen aufgrund der Gnade.
Paulus spricht in Vers 27 deshalb nicht in erster Linie davon, wer würdig ist, sondern davon, auf unwürdige Weiseteilzunehmen.
Es geht um die Art der Teilnahme.
Man kann mit einem demütigen Herzen kommen und wissen: „Herr, ich brauche deine Gnade.“
Oder man kann lieblos, selbstgerecht, unversöhnt und gleichgültig teilnehmen.
Das Problem ist nicht menschliche Unvollkommenheit.
Das Problem ist eine Haltung, die dem Evangelium widerspricht, das wir beim Abendmahl feiern.
Bedeutet „Gericht“ ewige Verdammnis?
Nein – jedenfalls nicht im unmittelbaren Zusammenhang dieser Verse.
Paulus erklärt selbst:
„Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verdammt werden.“
— 1. Korinther 11,32
Er unterscheidet also zwischen Gottes korrigierendem Gericht über seine Kinder und der endgültigen Verurteilung der Welt.
Das Gericht in 1. Korinther 11 ist deshalb nicht die Aussage, dass ein Christ durch falsche Abendmahlsteilnahme seine Erlösung verliert.
Es geht um Gottes ernsthafte Zurechtweisung seiner Gemeinde.
Und was ist nun mit einem Ungläubigen?
Ein Mensch, der nicht an Jesus glaubt, sollte grundsätzlich nicht am Abendmahl teilnehmen.
Warum?
Nicht weil das Brot für ihn gefährlich wäre.
Sondern weil er mit seiner Teilnahme etwas ausdrückt, das für ihn nicht zutrifft.
Wer Brot und Kelch nimmt, verkündigt:
Christus ist für mich gestorben. Ich gehöre zu seinem Leib. Ich lebe aus seinem neuen Bund.
Wenn jemand das nicht glaubt, wird seine Handlung zu einem Zeichen ohne die entsprechende Wirklichkeit.
Wenn jemand unwissend teilnimmt
Stellen wir uns einen Gast vor, der zum ersten Mal einen Gottesdienst besucht.
Das Brot wird herumgereicht. Alle nehmen etwas. Niemand erklärt etwas. Also nimmt er ebenfalls.
Müssen wir jetzt Angst haben, Gott könnte ihn deshalb bestrafen?
Dafür sehe ich keinen biblischen Grund.
Das Abendmahl funktioniert nicht magisch.
Brot und Kelch besitzen weder einen automatischen Segen noch einen automatischen Fluch.
In diesem Fall liegt die Verantwortung vielmehr auch bei der Gemeinde: Wir sollten erklären, was wir tun.
Wenn jemand bewusst spöttisch teilnimmt
Anders ist die Situation, wenn jemand bewusst das Heilige verspottet.
Wer absichtlich und verächtlich an etwas teilnimmt, das den Tod Christi verkündigt, obwohl er Christus verhöhnt, handelt selbstverständlich geistlich ernst.
Aber auch dann sollten wir nicht so reden, als wäre das Brot selbst eine Art geistliches Gift.
Das Problem ist nicht das Brot. Das Problem ist das Herz.
Das Abendmahl ist kein magisches Ritual
Dieser Punkt ist wichtig.
Das Neue Testament kennt keine Vorstellung, nach der Brot und Kelch automatisch Heil oder Gericht auslösen – unabhängig vom Glauben und von der Haltung des Menschen.
Das Abendmahl ist ein von Jesus eingesetztes Zeichen, in dem Gläubige Christus verkündigen, sich seiner erinnern und im Glauben seine Gnade empfangen.
Deshalb sollte niemand leichtfertig teilnehmen.
Aber ebenso wenig sollten wir daraus ein angstbesetztes Ritual machen.
3. Wer entscheidet, wer teilnehmen darf?
Auch hier gibt Paulus einen bemerkenswerten Hinweis:
„Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch.“
— 1. Korinther 11,28
Paulus sagt zunächst nicht:
Der Pastor prüfe jeden Menschen.
Er sagt:
Der Mensch prüfe sich selbst.
Das bedeutet nicht, dass Gemeindeleitung keinerlei Verantwortung hätte. Natürlich muss sie lehren, erklären und gegebenenfalls auch Grenzen setzen. Bei offenkundiger, bewusst festgehaltener Sünde oder im Rahmen biblischer Gemeindezucht kann es notwendig sein, jemandem von der Teilnahme abzuraten oder sie zeitweise auszusetzen.
Aber die normale Abendmahlspraxis sollte keine geistliche Einlasskontrolle sein.
Die Gemeinde erklärt.
Die Gemeinde lädt ein.
Die Gemeinde warnt.
Und der Einzelne prüft sich vor Gott.
4. Wie kann man das im Gottesdienst gut kommunizieren?
Ich halte eine offene, freundliche und gleichzeitig klare Einladung für den besten Weg.
Zum Beispiel:
Dieses Mahl ist für alle, die Jesus Christus als ihrem Herrn und Retter vertrauen. Wenn du Jesus noch nicht kennst oder noch nicht sagen kannst, dass du ihm dein Leben anvertraut hast, dann lass Brot und Kelch gerne weitergehen. Du bist deshalb nicht weniger willkommen. Im Gegenteil: Wir freuen uns, dass du hier bist. Und wenn du Jesus kennenlernen möchtest, sprechen wir nach dem Gottesdienst sehr gerne mit dir.
Bei Kindern könnte man ergänzen, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern überlegen sollen, ob sie bereits verstehen, was sie tun und persönlich an Jesus glauben.
So verbinden wir zwei Dinge, die niemals gegeneinander ausgespielt werden sollten:
Die Heiligkeit des Abendmahls und die Einladung des Evangeliums.
Fazit
Ab welchem Alter?
Die Bibel nennt kein Mindestalter.
Entscheidend sind vielmehr:
- persönlicher Glaube an Jesus Christus,
- ein grundlegendes Verständnis des Abendmahls,
- die Fähigkeit zur Selbstprüfung,
- und eine bewusste, freiwillige Teilnahme.
Deshalb halte ich eine individuelle geistliche Beurteilung für sinnvoller als eine starre Altersgrenze.
Was ist mit Ungläubigen?
Das Abendmahl richtet sich grundsätzlich an Menschen, die Jesus Christus vertrauen.
Ein Ungläubiger sollte deshalb nicht teilnehmen. Aber nicht deshalb, weil Brot oder Kelch eine magische Gefahr darstellen.
- Korinther 11 beschreibt in seinem unmittelbaren Zusammenhang Gottes ernstes Handeln an einer christlichen Gemeinde, die das Mahl durch Egoismus, Spaltung und Lieblosigkeit entstellte.
Ein unwissender Gast, der versehentlich teilnimmt, muss deshalb nicht in Angst versetzt werden.
Und auch Christen müssen keine Angst haben, sie seien „nicht würdig genug“.
Wir kommen gerade deshalb zum Tisch, weil wir nicht aus eigener Kraft würdig sind.
Wir kommen als Menschen, die Christus brauchen.
Vielleicht lässt sich die ganze Frage deshalb in einem Satz zusammenfassen:
Das Abendmahl ist nicht für perfekte Menschen – sondern für Menschen, die im Glauben wissen, dass sie Jesus brauchen, verstehen, was sie feiern, und sich bewusst an ihn erinnern.
„Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch.“
— 1. Korinther 11,28