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Changed Lives|Pastor's Blog
Freunde

Beziehungsfäden

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Ein Artikel über Kapitel 15 aus Jennie Allens Buch „Restless – Because You Were Made for More“ (Deutscher Titel: Mach doch, was du liebst - Untertitel: Warum deine Gaben, Wünsche und Sehnsüchte kein Zufall sind)

Eine Frau, die zweimal gestorben ist

Jennie Allens Freundin Julie Manning trägt einen Herzfehler in sich. Zweimal war sie bereits klinisch tot – und zweimal wurde sie ins Leben zurückgeholt. Wer dem Tod so nah gekommen ist, verliert die Geduld für Belanglosigkeiten. Julie verschwendet keine Zeit mehr mit oberflächlichem Smalltalk. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie kurz das Leben ist und wie kostbar jeder einzelne Mensch.

Mit dieser Geschichte eröffnet Jennie Allen ihr Kapitel über das, was sie „Beziehungsfäden“ nennt – die unsichtbaren Verbindungen zwischen Menschen, durch die Gott sein Werk in der Welt wirkt. Julies radikale Klarheit stellt uns eine unbequeme Frage: Wie gehen wir eigentlich mit den Menschen um, die Gott in unser Leben gestellt hat?

Das Problem: Wir trödeln in unseren Beziehungen

Allen prägt in diesem Kapitel einen ungewöhnlichen Begriff: „piddle“ – trödeln, sich mit Belanglosigkeiten aufhalten, an der Oberfläche kratzen. Genau das tun wir oft in unseren Beziehungen. Wir stoßen zufällig aneinander, tauschen Höflichkeiten aus und laufen weiter – ohne echte Absicht, Liebe zu geben oder zu empfangen.

Warum? Weil echte Liebe anstrengend ist. Wirkliche Gemeinschaft verlangt Risiko, Vergebung, Zeit und die bewusste Entscheidung, nicht wegzulaufen, wenn es schwierig wird. Da wir diese Tiefe unmöglich mit jedem Menschen erreichen können, müssen wir wählen. Wir müssen absichtlich – intentional – entscheiden, in wen wir uns investieren.

„Verbringen wir unsere Zeit bewusst in diesen zwei Kategorien? Oder stoßen wir nur zufällig aneinander, ohne die wirkliche Absicht, Liebe zu empfangen oder zu geben?“

Diese Frage ist der Kern des Kapitels. Beziehungen entstehen nicht von selbst in der Tiefe. Sie brauchen eine Entscheidung.

Laufpartner im Rennen des Lebens

Allen greift das Bild aus dem Hebräerbrief auf: Das Leben ist ein Rennen (Hebräer 12,1–3). Und kein Läufer läuft dieses Rennen allein. Wir brauchen drei Arten von Menschen:

  • Menschen, die uns vorangehen – Mentoren, die uns den Weg zeigen.
  • Menschen, die neben uns laufen – Gefährten, die mit uns kämpfen.
  • Menschen, die uns anfeuern – die uns Mut machen, wenn wir aufgeben wollen.

Doch Allen ist ehrlich: Menschen sind schwierig. Sie benutzt das Wort „jacked up“ – kaputt, fehlerhaft, verletzt. Weil wir alle Sünder sind, werden wir einander verletzen. Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel. Die Frage ist nicht, ob uns Menschen enttäuschen, sondern wie wir damit umgehen.

„Wir müssen unvollkommen gemeinsam laufen. Nicht weil wir schnell oder großartig darin sind … sondern weil wir einander verpflichtet sind.“

Das ist eine befreiende Botschaft: Gemeinschaft muss nicht perfekt sein, um echt zu sein. Sie muss nur treu sein.

Die Antwort heißt Gnade

Wie hält man es mit „kaputten“ Menschen aus? Allens Antwort ist eindeutig: durch Gnade. Nur wer selbst begriffen hat, wie unermesslich er von Gott begnadigt wurde, kann anderen dieselbe Gnade schenken. Vergebung wird nicht zur zähneknirschenden Pflicht, sondern zum natürlichen Überfluss eines Herzens, das selbst Gnade empfangen hat.

Paulus fasst diese Haltung in Kolosser 3,12–15 zusammen: Wir sollen Mitgefühl, Güte und Demut „anziehen“ wie ein Kleidungsstück – und einander vergeben, wie der Herr uns vergeben hat. Liebe ist hier kein Gefühl, sondern ein aktives, tägliches Sich-Entscheiden.

Mit einem Augenzwinkern gibt Allen einen Einblick in ihre eigene Ehe: Sie und ihr Mann Zac legen scherzhaft Geld für die spätere Therapie ihrer Kinder zurück – ein humorvolles Eingeständnis, dass auch sie als Eltern unvollkommen sind. Niemand ist von der eigenen Fehlerhaftigkeit ausgenommen. Genau deshalb brauchen wir alle Gnade.

Josef: Wenn schwierige Beziehungen zum Segen werden

Als biblisches Vorbild wählt Allen die Geschichte Josefs (1. Mose 45). Seine eigenen Brüder hassten ihn und verkauften ihn in die Sklaverei. Jahre später standen sie – hungrig und verzweifelt – vor ihm, ohne zu ahnen, dass dieser mächtige ägyptische Herrscher ihr verratener Bruder war.

Josef hätte sich rächen können. Stattdessen sah er die größere Geschichte: Gott hatte ihn durch all diese schmerzhaften Beziehungen hindurchgeführt, „um viele Leben zu retten“. Er begegnete seinen Brüdern nicht mit Vergeltung, sondern mit Großzügigkeit. Josef verstand, dass Gottes Souveränität größer ist als menschliche Bosheit – und dass ausgerechnet die schwierigsten Beziehungen zum Werkzeug göttlicher Rettung werden können.

Zwei Kategorien von Menschen

Allen ordnet die Menschen in unserem Leben in zwei Gruppen:

  1. Menschen, die wir brauchen. Das sind die Mentoren und Freunde, die uns die Wahrheit sagen – auch wenn sie unbequem ist – und die uns immer wieder zu Gott hinführen.
  2. Menschen, die uns brauchen. Das sind die Nachbarn, Kollegen und Fremden um uns herum, die geistlich oder körperlich hungrig sind. Menschen, die eine Heilung brauchen, die wir bereits in uns tragen: das Evangelium.

Hier zitiert Allen die Apostelgeschichte 17,27: Gott hat die Zeiten und die Grenzen unseres Wohnens bestimmt, „damit sie Gott suchen“. Unser Wohnort, unsere Nachbarschaft, unser Arbeitsplatz – nichts davon ist Zufall. Gott hat uns genau dort platziert, wo wir sind, damit die Menschen um uns herum durch uns Ihn finden können.

Eine Anekdote macht das greifbar: Allen und ihre Freunde luden einmal Frauen aus einem Übergangswohnheim zum Bowling ein. Die überschäumende Freude einer Frau, die gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden war, veränderte Allens eigene Sicht auf Gott und ihre Dankbarkeit tiefgreifend. Wer sich in andere investiert, wird selbst reich beschenkt.

„Gottes Ökonomie schafft einen wunderschönen Tausch: Während wir geben, wachsen wir.“

Der unsichtbare Kampf hinter dem Konflikt

Ein besonders wichtiger Gedanke: Konflikte in Beziehungen haben oft eine geistliche Dimension. Allen verweist auf Epheser 6,12 – unser Kampf richtet sich nicht gegen „Fleisch und Blut“, sondern gegen geistliche Mächte. Der Feind will Beziehungen und ganze Gemeinden durch Spaltung, Misstrauen und Bitterkeit zerstören.

Wer das erkennt, kann leichter vergeben. Denn der eigentliche Gegner ist nicht der Mensch, der mich verletzt hat, sondern die Macht, die hinter der Spaltung wirkt. Diese Perspektive verwandelt Wut in Mitgefühl und Rache in Fürbitte.

Und diese Wahrheit wird gerade dann kostbar, wenn das Leben zerbricht: Als Allens beste Freundin Sarah Henry im Krankenhaus lag und man um ihr Leben bangte, war es Julie – dieselbe Julie, die dem Tod schon zweimal begegnet war –, die Sarah von der Herrlichkeit des Himmels zuflüsterte und ihr in scheinbar letzten Stunden Trost schenkte. Beziehungsfäden tragen gerade dort, wo alles andere zerreißt.

Hör auf zu warten – geh los!

Das Kapitel mündet in einen klaren Aufruf zum Handeln. Wir sollen nicht darauf warten, dass andere die Initiative ergreifen. Wir sollen sie ergreifen.

„Hör auf darauf zu warten, dass Menschen dich suchen. Das werden sie nicht. Suche du sie.“

Konkret bedeutet das:

  • Initiative ergreifen – nicht auf Einladungen warten, sondern selbst auf Menschen zugehen.
  • Tiefe suchen – mutigere Fragen stellen und ehrlichere Antworten geben.
  • Wirklich hinsehen – selbst an der Supermarktkasse den Menschen bewusst in die Augen schauen und ihre Not wahrnehmen.
  • Namen aufschreiben – ganz praktisch überlegen: Wer sind meine Mentoren? Welche Freunde und Familienmitglieder brauche ich? Und welche Nachbarn, Kollegen oder Menschen am Rand brauchen mich?
  • Risiko wagen – bewusst Beziehungen suchen, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen.

Fazit: Eine Investition in die Ewigkeit

Beziehungen sind mühsam. Sie kosten Zeit, Nerven und immer wieder Vergebung. Aber sie sind eine Investition, die in die Ewigkeit reicht. Am Ende unseres Lebens, so Allen, werden wir es nicht bereuen, zu viel geliebt zu haben. Bereuen werden wir eher die Zeit, die wir damit verschwendet haben, unsere Umstände kontrollieren zu wollen, statt Menschen zu dienen.

Julie Manning weiß das schon jetzt. Sie ist dem Tod zweimal begegnet und deshalb dem Leben ganz nah. Vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieses Kapitels: nicht erst am Rand des Todes zu begreifen, was von Anfang an zählt – die Menschen, die Gott als Fäden in unser Leben gewoben hat.

Es ist Zeit, aufzuhören zu trödeln. Es ist Zeit, absichtlich zu lieben.

Grundlage: Jennie Allen, „Restless – Because You Were Made for More“, Kapitel 15 („Threads of People“)

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